POTSDAM. Brandenburgs Seen laden auch nach mehrwöchigem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen uneingeschränkt zum Baden ein. "Es gibt keinerlei Beanstandungen", sagte gestern der Sprecher des Umweltministeriums, Jens-Uwe Schade. "Die Gewässer sind einfach sauber." An keiner Stelle seien bislang auffällige mikrobiologische Werte gemessen worden. Geringe Sichttiefen müssen nicht Ausdruck einer schlechten Wasserqualität sein.Allerdings ist es durchaus möglich, dass die Übersicht im Internet, die die erfreulichen Ergebnisse ausweist, nicht mehr auf dem neuesten Stand ist. Bis zu vier Wochen können die Werte alt sein. Denn Brandenburg testet die Gewässer seit diesem Jahr nicht mehr im Abstand von 14 Tagen, sondern nur noch im Vier-Wochen-Takt. Damit folgt das Land einer neuen EU-Richtlinie. Berlin hat dagegen den zweiwöchigen Messrhythmus beibehalten. Brandenburger Behörden können von sich aus nach eigenem Ermessen - zum Beispiel nach starken Regenfällen - zusätzlich aktiv werden.Begonnen haben die Wasseruntersuchungen Anfang Mai an 253 offiziellen Badestellen in Brandenburg. Das sind immerhin 24 Messstellen mehr als im Vorjahr. Damit geht Brandenburg über die neuen EU-Richtlinien hinaus, nach denen Messungen nur für große Gewässer vorgeschrieben sind. Bewusst untersuchen die Behörden auch kleinere, aber beliebte Seen. Die sind oftmals nur Ortsansässigen bekannt. "In den nächsten Jahren wollen wir weitere Badestellen in die Untersuchungen einbeziehen", sagte Ministeriumssprecher Schade. Schon jetzt können die Gesundheitsämter "wilde" Badestellen auf Sauberkeit testen, müssen die Ergebnisse aber nicht weitermelden.Durch die Hitze der vergangenen Tage haben die Wassertemperaturen vielfach bereits die 20-Grad-Marke überschritten. "Das Algenwachstum hat begonnen", sagte Jens-Uwe Schade vom Umweltministerium. Die Algen sind zumeist ungefährlich, trüben aber das Badeerlebnis, weil sie die Sicht unter Wasser einschränken. Schon jetzt weisen einige Seen eine Sichttiefe von weniger als einem Meter auf - aber das ist vor allem ein ästhetisches Problem. Als Top-Wert gilt eine Sichttiefe von mehr als zwei Metern. Die gefährlichen Blaualgen, die zu Hautreizungen führen und beim Verschlucken Erbrechen und Durchfall auslösen können, bilden sich vor allem ab der zweiten Juli-Hälfte. Manche Seen, wie der Stechlinsee in Nordbrandenburg, bleiben ganzjährig vom Algenwachstum verschont.Die Stiftung Warentest hat übrigens Ende Mai 400 deutsche Badestellen bewertet. Für den Werbellinsee (Barnim), den Flakensee (Oder-Spree), den Motzener See (Teltow-Fläming) und eine Reihe weiterer Gewässer in Brandenburg gab es ein "empfehlenswert". Andere, wie der Wandlitzsee (Barnim) und der Straussee (Märkisch-Oderland), erhielten nur das Prädikat "mittelmäßig" - weil im Vorjahr die strengeren EU-Richtwerte "relativ häufig überschritten" wurden. Aber das kann in diesem Jahr natürlich ganz anders sein.Die guten Werte der Brandenburger Seen zu diesem Zeitpunkt jedenfalls kommen für die Experten nicht unerwartet. Denn erfahrungsgemäß treten Probleme mit gefährlichen Keimen erst im weiteren Verlauf des Sommers auf. Oder auch nicht, wie der heiße Sommer vor zwei Jahren zeigte. Damals blieben die Gewässer bis in den August hinein auffällig sauber.------------------------------253 BadestellenEU-Richtlinie. Seit 2008 gilt eine neue EU-Badegewässerrichtlinie. Sie schreibt u.a. vor, dass Gesundheitsämter klären müssen, woher Verunreinigungen kommen. Badestellen müssen mindestens im Vier-Wochen-Abstand getestet werden.Badestellen. In Brandenburg sind in diesem Jahr 253 Badestellen erfasst (2006: 230, 2007: 229). Die meisten Stellen befinden sich in der Uckermark (41), im Oder-Spree-Kreis (34) und in Dahme-Spreewald (32). In den nächsten Jahren sollen weitere Badestellen überprüft werden.Mehr Informationen im Internet: www.brandenburg.de/ badestellen------------------------------Foto: Abkühlung im Helenesee: Das Gewässer bei Frankfurt (Oder) zählt zu den klarsten Seen in Brandenburg.
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