Einen Tag vor der Präsidentschaftswahl in Brasilien konzentrieren die aussichtsreichsten Bewerber ihre letzten Auftritte auf den bevölkerungsreichen Südosten des Landes. Das berichtete der Sender CNN Brasil.
Präsident Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei PT führt am Samstag einen Demonstrationszug durch die Innenstadt von São Paulo an. Sein wichtigster Gegenkandidat, Senator Flávio Bolsonaro von der rechtsgerichteten Liberalen Partei (PL), startet mit einem Autokorso im Landesinneren des Bundesstaates São Paulo. Am Nachmittag zieht er nach Rio de Janeiro weiter.
Am Sonntag wählen die Brasilianer neben dem Präsidenten auch den Kongress sowie die Gouverneure und Parlamente der Bundesstaaten. Kommt es im Rennen ums Präsidentenamt zu keiner Entscheidung im ersten Wahlgang, folgt am 25. Oktober eine Stichwahl. Die drei südöstlichen Bundesstaaten São Paulo, Minas Gerais und Rio de Janeiro vereinen laut CNN Brasil knapp 40 Prozent der 158,7 Millionen Wahlberechtigten.
Lula wird in São Paulo von Vizepräsident Geraldo Alckmin sowie den Senatskandidatinnen Marina Silva und Simone Tebet begleitet. An der Seite Bolsonaros tritt der Gouverneur von São Paulo, Tarcísio de Freitas, auf. Wählen dürfen in Brasilien Bürger ab 16 Jahren, zwischen 18 und 70 Jahren besteht Wahlpflicht.
Flávio Bolsonaro ist der älteste Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro und sitzt für den Bundesstaat Rio de Janeiro im Senat. Sein Vater verbüßt seit November 2025 eine 27-jährige Haftstrafe. Eine Kammer des Obersten Gerichtshofs hatte ihn schuldig gesprochen, nach seiner Wahlniederlage 2022 einen Putsch gegen Lula geplant zu haben.
Knappe Abstände in den Umfragen
In der am Samstag veröffentlichten Erhebung des Instituts PoderData/Aya kommt Lula auf 45 Prozent der gültigen Stimmen, Flávio Bolsonaro auf 43 Prozent. Bei einer Fehlertoleranz von 1,5 Prozentpunkten liegen beide statistisch gleichauf.
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Auch weitere landesweite Umfragen sehen Lula nur knapp vor Bolsonaro. Datafolha ermittelte 42 zu 38 Prozent, AtlasIntel/Bloomberg 45,3 zu 42,2 Prozent und Quaest 39 zu 34 Prozent. Die Erhebungen wurden zwischen dem 28. September und 2. Oktober veröffentlicht, die Fehlermargen lagen zwischen einem und zwei Prozentpunkten.
Globo sagt TV-Debatte ab
Die für Donnerstag geplante Globo-Debatte mit mehreren Präsidentschaftskandidaten kam nicht zustande. Lula verzichtete auf eine Teilnahme und trat stattdessen in einem reichweitenstarken YouTube-Podcast auf.
Daraufhin wollte der Sender TV Globo demonstrativ einen leeren Stuhl für den Präsidenten auf der Bühne platzieren. Das oberste Wahlgericht untersagte das jedoch. Bolsonaro zog seine Zusage anschließend zurück und sprach in einer Online-Übertragung von „Zensur“ durch das Gericht.
TV Globo sagte die Debatte schließlich ganz ab und begründete das mit einer „rechtlichen Unsicherheit“ nach widersprüchlichen Entscheidungen des Wahlgerichts und des Obersten Gerichtshofs.
Spannungen mit Washington vor der Abstimmung
Zwei Tage vor der Wahl setzten die USA am Freitag die konsularischen Dienste ihrer Botschaft und Konsulate in Brasilien aus. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Das US-Außenministerium verwies auf nicht näher beschriebene Sicherheitsbedenken. Australien schloss daraufhin ebenfalls seine Botschaft in Brasília.
Die brasilianische Bundespolizei führte nach Reuters-Angaben vorsorgliche Durchsuchungen in São Paulo und bei Brasília durch, fand nach eigenen Angaben aber keine Belege für eine Bedrohung durch Verdächtige mit Verbindungen zu kriminellen Organisationen.
Der Vorsitzende von Lulas Arbeiterpartei, Edinho Silva, bezeichnete die Schließungen laut Reuters als beispiellos. Er warf US-Präsident Donald Trump den Versuch vor, die öffentliche Meinung in Brasilien zu beeinflussen.
Das Außenministerium in Washington wies Vorwürfe einer Einmischung zurück. Trump hat Flávio Bolsonaro öffentlich gelobt, aber keine formelle Wahlempfehlung ausgesprochen.
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