Bretterzäune am Fuß des Baus werden abgebaut / Streit um weitere Entwicklung des Areals

Der Fernsehturm steht ab Herbst wieder frei

Uwe Aulich
3 Min

Der Berliner Fernsehturm wird in wenigen Wochen wieder leichter zugänglich sein. Dann sollen die umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten abgeschlossen werden. Die Bretterzäune und Fangnetze, die die Baustelle aus Sicherheitsgründen seit mehr als eineinhalb Jahren fast hermetisch abgeschirmt haben, werden dann verschwinden. "Mit dem Abbau beginnen wir Ende Oktober", sagt Karl Voss von der DeTe Immobilien, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom, die für die Sanierung verantwortlich ist. "Vier bis sechs Wochen später soll dann alles weg sein." An der Karl-Liebknecht-Straße werde man beginnen, den etwa 600 Meter langen Bretterzaun auseinanderzunehmen. Die DeTe Immobilien planen schon das nächste Projekt. Noch in diesem Jahr soll mit der Betonsanierung der Gewerbe- und Ausstellungsflächen am Fuße des Fernsehturms begonnen werden. Mieter für die 6 000 Quadratmeter großen Flächen gibt es allerdings noch keine. "Wir wollen das Gebiet um den Fernsehturm beleben", sagte Voss, "als künftige Nutzer kommen Medien, Gaststätten und die Tourismusbranche in Frage." In den denkmalgerechten Umbau will die Telekom-Tochter rund 30 Millionen Mark investieren. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis Mitte des Jahres 2000 dauern. Reparatur der Kaskaden ungewißMit dem Abbau der Bauzäune werden nun auch die Wasserspiele zwischen Marienkirche und Fernsehturm wieder zugänglich. Der Bezirk ist in Zugzwang, denn Wasserleitungen und Fontänen der Kaskaden sind kaputt. Bis vor wenigen Jahren haben die Fontänen noch zu jeder vollen Stunde kräftig gesprudelt. Doch für die Reparatur hat der Bezirk kein Geld. Mittes Baustadtrat Thomas Flierl (für PDS) hofft nun, daß die DeTe Immobilien "nicht nur die Grünflächen wiederherstellt, sondern auch einen Beitrag zur Reparatur der Kaskaden leistet", sagte er am Mittwoch auf einer Versammlung mit Anwohnern. Derzeit werden die Kosten für die Reparatur der Brunnenanlage auf etwa 2,5 Millionen Mark geschätzt. Voss schloß aus, daß sein Unternehmen diese Summe übernehmen könnte. Die Bewohner vor allem von Karl-Liebknecht- und Spandauer Straße, Rathausstraße sowie dem Nikolaiviertel machen sich vor allem dafür stark, daß die Freiflächen rund um den Fernsehturm sowie das angrenzende Marx-Engels-Forum als Grünflächen erhalten bleiben. Das Planwerk für die Innenstadt von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) sieht dagegen vor, sie zu bebauen.Central Park wie in New York?Laut Wolfgang Süchting, Projektleiter für das Planwerk, seien die Neubauten, wie etwa rings um die Marienkirche, vorgesehen, "um die Stadt in ihrem geschichtlichen Grundriß wieder erkennbar zu machen". In den kommenden zwei bis drei Monaten wolle man nun diskutieren, wie die Neubauten genutzt und mit Leben erfüllt werden könnenDie jüngsten Ideen des Senats, vom Fernsehturm bis zur Spree einen "Central Park" nach New Yorker Vorbild anzulegen, unterstützen die Anwohner. Wie Sprecher der Bürgerinitiative "Lebensraum rund um den Fernsehturm" jedoch kritisierten, sei es "ein fauler Kompromiß, wenn für den Central Park die Grünfläche auf dem Friedrichswerder bebaut wird".Wie berichtet, stellt sich Bausenator Jürgen Klemann (CDU) nach einem Spitzengespräch mit dem Stadtentwicklungssenator nicht mehr gegen die Bebauung der Wallanlagen. Der Senat will damit der Modeboutique Ebbinghaus am Spittelmarkt ermöglichen, in einen Neubau auf dem Friedrichswerder einzuziehen. Für den Senat wäre damit der Weg frei, die derzeitige Ebbinghaus-Filiale abzureißen und die Axel-Springer Straße als wichtige Verbindung zwischen Kreuzberg und Mitte bis zum Spittelmarkt zu verlängern.

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