Meeressäuger

Abszesse und leerer Magen: Woran der Buckelwal vor Rügen starb

Ein Buckelwal trieb tot vor Rügen. Die Obduktion offenbart eitrige Abszesse. Ein Verdacht erklärt seinen Tod.

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Ein Buckelwal starb vor der Insel Rügen.

Ein Buckelwal starb vor der Insel Rügen.

© Stefan Sauer/dpa

Ein rund zehn Meter langer Buckelwal ist vor Rügen offenbar an einer bakteriellen Infektion verendet. Das legen zumindest die vorläufigen Untersuchungsergebnisse nahe, die das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund nach der Obduktion mitteilte. Demnach besteht der Verdacht auf eine Sepsis, umgangssprachlich eine Blutvergiftung.

Das sieben Tonnen schwere Männchen, drei bis vier Jahre alt, war am vergangenen Donnerstag im Greifswalder Bodden auf dem Rücken treibend entdeckt worden. Äußere Verletzungen durch Schiffsschrauben oder Netze fanden die Forschenden nicht. Stattdessen stießen sie im Körperinneren auf mehrere eitrige Abszesse – und auf einen Hinweis, warum das Tier zuvor so auffällig geschwommen war.

Woran der Buckelwal vor Rügen wohl starb

Nach den vorläufigen Ergebnissen deutet vieles auf eine bakterielle Infektion hin. Das Deutsche Meeresmuseum spricht von einem Verdacht auf eine Sepsis.

Bestätigt ist das noch nicht. Die Fachleute stützen sich bislang auf den Befund der Obduktion, nicht auf ein abschließendes Laborergebnis.

Im hinteren Rückenbereich entdeckten die Wissenschaftler zwei rundliche Öffnungen. Dort war ein Abszess von innen nach außen durchgebrochen – er reichte laut Museum vom Knochen bis unter die Haut.

Die Wirbelfortsätze an dieser Stelle waren teilweise porös. Weitere, ebenfalls mit Eiter gefüllte Abszesse fanden sich entlang der Wirbelsäule und am Kugelgelenk der rechten Brustflosse (Flipper).

Leerer Magen und dünne Fettschicht: Hinweise auf eine Hungerphase

Der Ernährungszustand des Tieres war schlecht. Magen sowie Dünn- und Dickdarm waren leer, nur im hinteren Dickdarm fand sich eine geringe Menge bräunlichen Inhalts.

Die Fettschicht, auch Blubber genannt, maß nur sechs Zentimeter. Das deute auf eine längere Hungerphase hin, so das Museum. Bis auf geringen Parasitenbefall in der Nähe des linken Schulterblatts war der Wal parasitenfrei.

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Keine Verletzungen durch Schiffsschrauben oder Netze

Anzeichen für eine Kollision oder ein Verfangen in Fanggeräten gab es nicht. Äußerlich war der Kadaver zunächst noch frisch.

Auffällig war die Haut: Zwischen Kopfspitze und Rückenflosse hatte sie sich rotbräunlich verfärbt, die obere Hautschicht fehlte großflächig.

Obduktion bei 30 Grad: Warum die Sektion schwierig war

Geborgen hatte den Kadaver das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee, untersucht wurde er auf der Insel Dänholm bei Stralsund. Die Sektion fand am Freitag und Samstag statt, teils bei 30 Grad und ohne Schatten für die 13 beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Wegen der Hitze hatte sich das Tier durch Fäulnisgase bereits aufgebläht. Als die aufgeblähte Zunge aufgeschnitten wurde, entwichen die angestauten Gase – ein Moment, der auch erfahrene Fachleute forderte.

Am Freitag hatte die Verwesung bereits die Organe erfasst. Gewebeproben von Gehirn, Lunge und Nieren ließen sich nicht mehr entnehmen.

War es der zuvor gesichtete Wal vor Kiel, Wismar und Polen?

Vieles spricht dafür, dass es sich um jenes Tier handelt, das in den Wochen zuvor mehrfach in Küstennähe aufgetaucht war: zunächst vor Kiel, dann im Hafenbecken von Wismar, vor dem Ostseebad Wustrow und zuletzt nahe dem polnischen Badeort Międzyzdroje.

Einen hundertprozentigen Nachweis gebe es nicht, sagte eine Sprecherin des Museums. Die Hautverfärbung sei aber recht spezifisch.

Die Abszesse saßen genau an Stellen, die der Wal zum Schwimmen brauchte – an der Wirbelsäule und an der Brustflosse. Das könnte die auffällige Haltung erklären, die einer Meeresbiologin der Einrichtung bei den Sichtungen merkwürdig vorgekommen war.

Buckelwale in der Ostsee: Seltene Gäste

Buckelwale verirren sich nur selten in die Ostsee, die nicht zu ihrem Lebensraum gehört. Nach dem internationalen Verbot des kommerziellen Walfangs 1986 haben sich die Bestände im Atlantik erholt.

Museumsdirektor Burkard Baschek verwies im Sender News 5 live auf eine 150 Jahre lange Lücke in den Walfundstatistiken der Ostsee – ein Zeichen der durch den Walfang dezimierten Bestände.

Es ist bereits der zweite Buckelwal in diesem Jahr in den Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns. Im Frühjahr strandete ein zwölf Meter langes Tier vor der Insel Poel und wurde nach einer aufwendigen Transportaktion tot vor der dänischen Insel Anholt angespült.

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