Buddelkasten

Volker Müller
2 Min

Heraus aus dem Staub mit allen kulturellen Scherben Brandenburgs! Gestern meldeten die Agenturen, dass dem Lande des Roten Adlers ein Museum für Ur- und Frühgeschichte beschert werden soll. Der CDU-Kulturminister Wolfgang Hackel, der das im Landtag verkündete, hat herausgefunden: Die Mark Brandenburg verfügt über eine lange geschichtliche Tradition und also auch über ein "ausgeprägtes archäologisches Erbe". Nun soll das St.-Pauli-Kloster in der Stadt Brandenburg dafür hergerichtet werden. Diese Anlage wollte man vor drei Jahren schon mal ausbauen, hatte aber die 36 Millionen Mark nicht, die das damals kosten sollte. Nun glaubt man wohl das Geld zu haben. Das mag mit einer anderen Mitteilung Hackels vom gestrigen Tage zusammenhängen: Bis zum Jahresende will er den von seinem Amtsvorgänger Steffen Reiche betriebenen "Brandenburger Theater- und Orchesterverbund" unterschriftsreif haben. Der Terminus ist ein amtsdeutsches Synonym für umfassenden Theatertod unter aktiver landes- und kommunalpolitischer Sterbehilfe. Von den vier Drei-Sparten-Häusern bleiben nach dieser Frankenstein-Behandlung zumeist nur Stümpfe: In Cottbus bangt man um das Ballett. Frankfurt/Oder schließt sein Kleist-Theater und begnügt sich mit dem Sitz für das Staatsorchester. Potsdam opfert seine Philharmonie und behält noch die Sprechbühne. Brandenburg hat sein Ensemble bereits im Sommer entlassen, unterhält gerade noch 43 Musiker als Kern für ein künftiges Musiktheater. Wie sein Vorgänger preist Hackel den Kahlschlag als Triumph moderner kommunaler Arbeitsteilung in den Zeiten finanzieller Schwindsucht. Zwar müsse er die Diskussion in den drei Partnerstädten noch abwarten, doch schon jetzt sei er sich der Akzeptanz aller drei Oberbürgermeister sicher.In der Tat ist es eine Spezialität von Stolpe-Land, dass seine Politiker die ideell umtriebige, nicht wohlfeile Theaterkunst lieber zum Teufel wünschen, als etwa um sie zu kämpfen. In keinem anderen alten oder neuen Bundesland ist das Theaterwesen so erbarmungslos gewürgt worden. Sieht man einmal vom Cottbuser Intendanten Christoph Schroth ab, so haben sich selbstbewusst starke, unbequeme Künstlerpersönlichkeiten, von denen das Theater nun einmal lebt, nach Brandenburg nicht verirrt wohl wissend, wie wenig sie gelitten sind, wo Mittelmaß die Sense führt.In Staub mit aller lebendigen Kultur über Tage, die nicht nach Stadthallen-Event riecht und bloß immer wieder Geld verschlingt. Hinab zur toten Kultur unter Brandenburgs Erde. Das Haus für sie kostet ja nur einmal soviel, wie jedes Jahr für ein respektables Theater in einer mittelgrossen Stadt ausgegeben werden muss. Und außerdem machen ausgebuddelte Krüge und Schwerter auch viel weniger Ärger.

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