Märkisches Museum, Theaterabteilung: Gleich hinter der Tür Caspar Nehers Bühnenbildentwürfe für die weltberühmt gewordene "Dreigroschenoper"-Uraufführung seines Augsburger Schulkameraden Bertolt Brecht, gespielt 1928 im Theater am Schiffbauerdamm. Skizzen für die Münchner "Dickicht"-Premiere von 1923, daneben frühe Selbstporträts, als Neher mit Vornamen noch Rudolf hieß. Brecht gab seinem gleichaltrigen Freund den Namen Caspar und der trug ihn ein Bühnenbildnerleben lang, in dem er rund 500 Ausstattungen entwarf, pro Jahr bis zu siebzehn. Ein Fleißiger kommt heute auf fünf. In den Nazijahren arbeitete Neher u.a. in Frankfurt/Main bei Walter Felsenstein.Der zweite Raum präsentiert Entwürfe für eine "Mutter Courage", die Neher 1947 vorsorglich, unbestellt zeichnete, als er in Zürich auf Brechts Rückkehr wartete. Heinrich Kilger hat die "Courage" des Berliner Ensembles entworfen, weil Neher das Visum zur Fahrt nach Ostberlin nicht rechtzeitig erhielt.Der größte Raum zeigt Originalkostüme, Dekorationsteile, Requisiten vom "Galilei" mit Ernst Busch. Während dieser Regiearbeit starb Brecht 1956. Von den gewaltigen Kupferwänden, mit denen die Bühne ausgestattet war, ist aus Platzgründen nur ein Tor aufgestellt. Die "Galilei"-Bühne ist im Modell zu sehen, daneben das Modell für die 1965 zwischen denselben Wänden spielende Inszenierung von Heinar Kipphardts "In der Sache J. Robert Oppenheimer". 83 Zeichnungen wurden aus Privatbesitz zusammengetragen, darunter Skizzen zu den BE-Aufführungen "Puntila", "Der Hofmeister" und "Die Mutter". Diese Schau ist eine kleine Sensation. In diesem Umfang wird so schnell keine Neher-Ausstellung wieder möglich sein. Leider war die Herstellung eines Katalogs zu teuer. Im Brecht-Haus in der Chausseestraße ist die Ausstellung "Brechts Ostasien" zu sehen. Autor der zehn Bild-Text-Tafeln ist Antony Tatlow, der frühere Präsident der Internationalen Brecht-Gesellschaft. Er lehrte jahrzehntelang in Hongkong vergleichende Literaturwissenschaft, setzt hier Texte von Bertolt Brecht, Oscar Wilde, Friedrich Nietzsche auf Staunen machende Weise untereinander in Bezug, weist auf gemeinsame Beziehungen zum ostasiatischen Denken hin. Wo der chinesische Philosoph Me-ti schreibt "Hunger und Durst sind Feinde jeder Moral", formuliert Brecht den Gedanken so: "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral". Am Beispiel des Brecht-Gedichtes "Auf einen chinesischen Theewurzellöwen" erläutert Tatlow, wie Brecht aus chinesischem und japanischem Material Eigenes ableitet. Brecht im Tagebuch: "Ich bin zu asiatisch, um auf Scheiterhaufen für die Wahrheit zu sterben".Ein umfangreicher Katalog befaßt sich weit über die Ausstellung hinaus mit Theater, Lyrik und Philosophie des alten China. (Parthas Verlag, Berlin, 48 Mark). Wer sich am Vergleich Brechts mit Wilde stößt, dem hält Tatlow entgegen, "ein in den Fotoporträts gemeinsamer Narzißmus" sei unverkennbar. Kein Bild von Brecht enthält die Fotoausstellung von Vera Tenschert, der Hausfotografin des Berliner Ensembles von 19541991 in der Fotogalerie Friedrichshain. Frau Tenschert war 18 Jahre alt, als sie am Schiffbauerdamm anfing, und Brecht hat der noch Unerfahrenen nicht erlaubt, ihn zu fotografieren. Sie hat sich leider daran gehalten. Die Weigel in der Rolle als Gouverneurin im "Kaukasischen Kreidekreis" 1954 ist ihr erstes Bild. Zu sehen auch Porträts von Dario Fo, Giorgio Strehler, Luigi Nono, Paul Dessau, Heiner Müller, Heinrich Böll, Vittorio de Sica, Therese Giehse, Marlene Dietrich, in der Regel bei Besuchen im BE oder auf den Gastpielreisen des BE um die halbe Welt aufgenommen. Helene Weigel als Mutter Courage. Als Mutter bei ihrem letzten Auftritt auf einer Bühne, beim Gastspiel des Berliner Ensembles 1971 in Nanterre/Frankreich. Das Porträt der großen Intendantin, wie sie grüblerisch, wissend, vor schwieriger Entscheidung stehend den Kopf an die Hand stützt, ist eine überragende Arbeit.Caspar Neher, Märkisches Museum, Am Köllnischen Park, di- so, 10-18 Uhr.Brechts Ostasien, Brecht-Haus, Chausseestr. 125, mo-fr, 10-20 Uhr.Vera Tenschert: Fotogalerie Helsingforser Platz 1, di-sa, 13-18 Uhr.
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