Bürgerkriegsflüchtlinge protestierten gestern gegen Abschiebung

Die Pässe werden eingezogen

Marion Jentsch
2 Min

Mehr als hundert Burgerkriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien protestierten gestern gegen die zunehmenden Abschiebungen vor der Ausländerbehörde in Hohenschönhausen.Runzilge Bauerngesichter, gestikulierende Arme, ein Gewirr serbischer, kroatischer und anderer Stimmen -- das war das Bild gestern morgen um neun Uhr an der Ferdinand-Schultze-Straße 55. Bürgerkriegsfluchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien, van denen zur Zeit 40 700 in der Stadt leben, protestierten mit Transparenten vor dem Tor der Ausländerbehörde In Hohenschönhausen."Ich bin ein Deserteur", "Ich will nicht in den Krieg" war auf ihnen zu lesen. Der Protest richtete sich vor allem gegen die Praxis der Behörde, flüchtlingen den Paß abzunehmen und sie aufzufordern, sich eine Rückfahrkarte zu besorgen, teilte Katharina Bandelow von "Asyl in der Kirche" mit. Außerdem erregten sich die Flüchtlinge darüber, daß die Polizei vor Tagen Reizgas einsetzte, um die Wartenden zu vertreiben.Als die Behörde Mitte März ihre Arbeit aufnahm, hatte Innensenator Dieter Heckelmann (CDU) noch den Komfort der Wartesäle auf dem Gelände gelobt. Doch eben diese dürfen die flüchtlinge nicht mehr betreten. Sie warten zwischen Fahrbahn und Tor auf eine Nummer, manche schon drei Tage wie Essad Ajounovich, 61 Jahre alt. Er zeigte ein ärztliches Attest, demnach er schwer herzkrank ist. Er weiß nicht, wann er wiederkommen, was er tun soll: "Ohne Nummer keine Duldung, kein Geld vom Sozialamt", sagte der Bosnier. Er ist enttäuscht, daß man ihn nicht aufidärt.Andere wie ein junger Vater haben Angst vor ihrer Abschiebung. "Das hier Geborene darf bleiben, ich nicht", schimpfte er.Andreas Block, Referatsielter für Abschiebungsangelegenheiten: "Wer eine Duldungsfrist von drei Monaten hat, wird nicht abgeschoben." Aber die mit einer Ausreisefrist von einer Woche. Und das würden immer mehr, das Ausstellen der Bescheide würde länger als "einen Stempel reindrücken" dauern, so Block. Zudem sei das Amt kurzzeitig geschlossen gewesen, daher die "Bugwelle an Publikum". Ab heute wolle man mehr Wartenummern ausgeben. Warum das Reizgas? Block: "Die Leute wollten nicht vor das Tor gehen."Bürgerkriegsflüchtlinge vor dem Tor der Ausländerbehörde.

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