Bürgermeister Heinz Buschkowsky ist optimistisch, dass die Probleme im Bezirk gelöst werden

"Der Zug ist in Bewegung"

Stefan Strauß
3 Min

Neukölln gilt als Berlins Problembezirk. Doch es gibt kein Geld für Arbeits,- Bildungs- und Integrationsprojekte. Wie ernst die Lage ist, haben mittlerweile alle erkannt.Herr Buschkowsky, von Ihrem Bürofenster sehen Sie auf blühende Blumen, einen plätschernden Springbrunnen und friedliche Menschen. Neukölln ist doch wirklich schön, oder?Richtig! Ich sage seit jeher: Neukölln ist weit mehr als die Summe seiner Probleme. Es gibt hier viele geschichtsträchtige und wunderbare Orte, etwa das Schloss oder den Britzer Garten. Eine Million Besucher zahlen jedes Jahr Eintritt für den "Schönsten modernen Park Deutschlands". Doch berichtet wird über die Dealer in der Hasenheide. Diese Einseitigkeit in der Bewertung ärgert mich.Aber Sie selbst reden doch gern und oft über die vielen Probleme und das schlechte Image des Bezirks .. soziale Verwerfungen, Integrationsprobleme, Kriminalität und Verwahrlosungstendenzen, das waren schon damals die Gründe für die Umbenennung von Rixdorf in Neukölln. Der Bezirk war seit der Einwanderung der Böhmen vor 270 Jahren ein Schmelztiegel der Kulturen.Heute hat Neukölln die höchste Hartz-IV-Dichte Deutschlands, das niedrigste Durchschnittseinkommen, die höchste Arbeitslosenquote.Und ein Bildungsproblem bei den jungen Leuten. Die Probleme wurden einfach zu spät wahrgenommen. Bis zur Jahrtausendwende wollte niemand wahrhaben, dass Multikulti allein gar nichts regelt und Deutschland ein Einwanderungsland geworden ist.Kann Neukölln seine Probleme überhaupt allein lösen? Dieses Jahr muss der Bezirk 8,4 Millionen Euro sparen.Nein, Integration gibt es nicht zum Nulltarif und Bildung kostet Geld. Der Bezirkshaushalt wird jedes Jahr wei-ter gekürzt. Kommunalpolitik kann diese Probleme allein nicht lösen, wir müssen sie aber benennen und so ein Realitätsbewusstsein schaffen. In den Elfenbeintürmen der hohen Politik hat man oft keinen blassen Schimmer davon, was vor Ort passiert.Aber Sie sind davon überzeugt, die Neuköllner Probleme in den Griff zu bekommen?Ja, denn es ist die Existenzfrage. Der Fortschritt ist eine Schnecke, und für Integrationspolitik braucht man einen langen Atem. Der Zug ist in Bewegung, läuft aber noch nicht mit Volldampf.Sind Sie Berufsoptimist?Ja. Das habe ich von meiner heute 96 Jahre alten Mutter. Die Gesellschaft findet immer Antworten auf die Fragen der Zeit, wenn sie denn rechtzeitig gestellt werden. Es gibt nicht den geringsten Grund, Neukölln und seine Menschen aufzugeben.Gespräch: Stefan Strauß.------------------------------An Neukölln gefällt mir am besten . . dass jede Ecke anders ist. Nirgendwo ist Berlin authentischer als in Neukölln.Gar nicht gefällt mir . . dass die Talfahrt der Neuköllner Innenstadt bisher nicht gestoppt werden konnte.Sie bekommen 15 Millionen Euro für den Bezirk geschenkt. Was machen Sie damit? Ich wecke Neuköllns versteckte Potenziale, etwa das Schloss Britz, das Böhmische Dorf .------------------------------Foto: Klare Worte: Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD).

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