Das Bündnis „Progressives Bulgarien“ des früheren Staatspräsidenten Rumen Radew liegt bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Bulgarien am 19. April 2026 laut Parallelzählungen klar vorn. Das meldete die bulgarische Nachrichtenagentur BTA in der Nacht zum Montag unter Berufung auf Prognosen mehrerer Meinungsforschungsinstitute. Demnach kommt das Bündnis auf rund 45 Prozent der Stimmen und könnte mehr als 120 der 240 Sitze in der Volksversammlung erreichen.
GERB und CC-DB liegen weit zurück
Laut der von BTA zitierten Prognose des Instituts Alpha Research entfallen auf das von Ex-Präsident Rumen Radew geführte Bündnis „Progressives Bulgarien“ 44,2 Prozent und 129 Sitze, auf die mitte-rechte GERB-UDF und die pro-EU Reformkoalition „Wir setzen den Wandel fort – Demokratisches Bulgarien“ jeweils rund 12 bis 13 Prozent sowie auf die vor allem die türkische Minderheit vertretende Bewegung für Rechte und Freiheiten 7,8 Prozent.
Die Zentrale Wahlkommission veröffentlichte laut BTA kurz nach Mitternacht erste Zwischenergebnisse, in denen „Progressives Bulgarien“ ebenfalls vorn lag. Die linke BSP-Vereinigte Linke um die Sozialisten bleibt laut der von BTA zitierten Parallelzählung außerhalb des Parlaments.
Der ehemalige General Radew inszeniert sich als Gegenentwurf zur alten politischen Klasse und stellte die Korruption, die herrschende Oligarchie und die soziale Ungleichheit in den Mittelpunkt seiner Kampagne. Bulgarien gilt als ärmstes EU-Land. Radew hat sich wiederholt gegen Waffenlieferungen an die Ukraine als kriegsverlängernd ausgesprochen und die westlichen Sanktionen gegen Russland kritisiert.
Borissow räumt Niederlage ein
Reuters berichtete am 19. April unter Berufung auf Nachwahlbefragungen von Alpha Research, Radews Bündnis liege bei 44 Prozent, weit vor der Partei GERB des früheren Ministerpräsidenten Bojko Borissow mit 12,5 Prozent. Borissow räumte die Niederlage laut Reuters in einem Facebook-Beitrag ein, warnte aber: „Wahlen entscheiden, wer Erster wird; wer regiert, entscheiden die Verhandlungen.“ Radew sagte laut Reuters auf einer Pressekonferenz, sein Bündnis habe einen Sieg „der Hoffnung über das Misstrauen“ errungen, und nannte auch eine Minderheitsregierung als Option.
Der Balkanstaat Bulgarien hat gut 6,4 Millionen Einwohner und zählt zu den kleineren Ländern der Europäischen Union. Jahrhundertelang stand das Land unter osmanischer Herrschaft. Die Bevölkerung ist mehrheitlich bulgarisch und orthodox geprägt. Wichtige Minderheiten sind vor allem Türken und Roma. Bulgarien ist politisch und wirtschaftlich fest im Westen eingebunden: So gehört es seit 2004 der NATO, seit 2007 der Europäischen Union und seit 2026 auch der Eurozone an. Gleichzeitig belasten Korruption, häufige Neuwahlen und Bevölkerungsrückgang das Land seit Jahren.
Die Wahl ist die siebte vorgezogene Parlamentswahl seit 2021. Vorausgegangen waren Massenproteste gegen die Korruption und die Wirtschaftspolitik, die im Dezember die vorherige Regierung zu Fall brachten. Radew hatte im Januar das Präsidentenamt niedergelegt, um zur Wahl anzutreten. Endgültige Ergebnisse werden laut Reuters im Laufe des Montags erwartet.
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