Bund entscheidet über Opel-Hilfen bis Weihnachten

Chrysler-Chef will für Kredit auf seinen Job verzichten

Peter Kirnich
3 Min

BERLIN. Noch steht nicht fest, ob die angeschlagenen US-Autokonzerne General Motors (GM), Ford und Chrysler die erhoffte staatliche Finanzhilfe bekommen werden. Im US-Kongress stießen ihre Wünsche bei den Abgeordneten vorerst vielfach auf Skepsis. Immerhin soll der Staat nach dem Willen der drei Autobosse staatliche Kredite in Höhe von 34 Milliarden Dollar (rund 27 Milliarden Euro) bereit stellen. Und selbst das könnte nicht reichen. Der Chefvolkswirt der US-Ratingagentur Moody's, Mark Zandi, erklärte, nach seinen Berechnungen benötigten die Autohersteller deutlich mehr Geld, nämlich 75 bis 125 Milliarden Dollar.Einbruch bei Daimler und BMWDie besonders schwer angeschlagenen Hersteller GM und Chrysler sind offenbar zu allem bereit. Um die nötigen Kredite zu bekommen, würden sie auch fusionieren: "Ich wäre sehr gewillt, dies ernsthaft in Betracht zu ziehen", sagte GM-Chef Rick Wagoner. Sein Kollege von Chrysler, Robert Nardelli, stimmte dem Plan zu. Mehr noch, er würde sogar freiwillig auf seinen Job verzichten: "Falls ein Zusammenschluss das Unternehmen und seine Arbeiter rettet, dann würde ich es machen."GM und Chrysler stehen wie berichtet ohne Finanzspritzen bis Jahresende so gut wie vor dem Aus. Das hätte schwerwiegende Folgen vor allem für GM Europe und die deutsche GM-Tochter Opel. Jedes Auto, das bei GM in Europa vom Band rollt, wird derzeit mit einem Verlust von 680 Dollar (rund 540 Euro) produziert. Zu den Kostenproblemen gesellen sich alarmierende Absatzsorgen: Allein im Oktober brach der Verkauf um 36 Prozent ein. Die Bundesregierung bereitet sich bereits auf eine eventuelle Abspaltung Opels vom Mutterkonzern vor. Es würden alle Möglichkeiten geprüft, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums am Freitag. "Es wurde zugesagt, dass Opel vor Weihnachten eine Entscheidung über eine Hilfe bekommt", sofern Opel diese benötige. Es geht um Finanzhilfen in Höhe von rund einer Milliarde Euro.Auch bei anderen deutschen Autobauern brechen die Absätze dramatisch ein. Daimler meldete am Freitag, die Zahl der verkauften Fahrzeuge sei im November im Vergleich zum Vorjahresmonat um ein Viertel auf 84 500 Autos zurückgegangen. BMW konnte im November lediglich 96 570 Autos verkaufen, ebenfalls ein Viertel weniger als im November 2007.Die Belegschaft des insolventen Autozulieferers Hohenlockstedter Walz- und Umformtechnik (HWU) hat am Freitag ihren Betrieb besetzt. Die Arbeiter ketteten die Einfahrtstore der Firma zu und stellten Feuertonnen auf. "Es kann nicht angehen, dass Banken und Großkonzerne einen Schutzschirm bekommen, für die Beschäftigten der Automobilzulieferer jedoch die Arbeitslosigkeit in Kauf genommen wird", begründete ein IG-Metall-Funktionär die spektakuläre Aktion.------------------------------Foto : Arbeiter haben die Walz- und Umformtechnik Hohenlockstedt besetzt. Sie wollen Staatshilfen.

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