Wenn es ein Begriff bei der Wahl zum "Wort des Jahres" bis in die Spitzengruppe schafft, dann ist das ein sicherer Indikator dafür, dass das Thema die Deutschen tatsächlich stark beschäftigt. "Fanmeile" war 2006 im Jahr der Fußballweltmeisterschaft auf Platz eins, aber schon auf Platz zwei folgte damals "Generation Praktikum" als Ausdruck eines Lebensgefühls junger Menschen, die sich mit unbezahlten oder sehr schlecht vergüteten Praktika ihren Einstieg ins reguläre Erwerbsleben erbetteln müssen.Seitdem ist es still geworden um die Generation P - doch an deren Situation hat sich nichts geändert. Das lag auch daran, dass niemand genau wusste, ob es sich nur um ein Lebensgefühl oder tatsächlich um harte Fakten handelte. Inzwischen gibt es aber eine Reihe von Untersuchungen die belegen, wie schwer es heute für junge Menschen ist, einen angemessen bezahlten, unbefristeten Job zu ergattern. Auch das Bundesarbeitsministerium hatte eine Studie in Auftrag gegeben, deren gestern vorgestellte Ergebnisse nun erstmals zu Konsequenzen führen sollen.Das Internationale Institut für Empirische Sozialökonomie (inifes) hat im Rahmen seiner Untersuchung rund 2 000 junge Menschen zwischen 18 und 34 Jahren über ihre Erfahrung mit Praktika befragt. Obwohl sie alle eine Ausbildung absolviert hatten, erhielten 51 Prozent von ihnen - das sind hochgerechnet mehr als drei Millionen Berufseinsteiger - freiwillige Praktika gar nicht vergütet, bei zwölf Prozent war die Vergütung unangemessen und bei nur 37 Prozent angemessen. 38 Prozent gaben an, sie seien mehr oder weniger wie Arbeitnehmer eingesetzt worden. Die Schlussfolgerung der Wissenschaftlicher: "Es liegt die Vermutung nahe, dass die entsprechenden Unternehmen auch ein Interesse an einer unbezahlten Arbeitskraft hatten."Bundesarbeitsminister Olaf Scholz will das nicht weiter hinnehmen und plant Gesetzesänderungen, um für Praktikanten mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung eine angemessene Bezahlung zu erreichen. Gefragt seien allerdings nur "smarte Eingriffe" und kein Umbau des gesamten Arbeitsrechts, sagte der SPD-Politiker gestern. Der Arbeitsminister will zum Beispiel im Paragrafen 612 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) - dort geht es um die Vergütung von Dienstleistungen - klarstellen lassen, dass ein Praktikum angemessen bezahlt werden muss. Außerdem wird erwogen, schriftliche Verträge auch für Praktika vorzuschreiben, damit die Aufgaben der Praktikanten von Anfang an geklärt sind. Ein Verbot von Praktika oder einen Mindestlohn in diesem Bereich plant der Minister nicht: "Praktika sind sinnvoll, aber es gibt Missbrauch, und dagegen muss man etwas Sinnvolles tun."------------------------------Foto: Sarah Kuttner war Praktikantin bei Jugendradio Fritz, inzwischen ist sie eine bekannte Moderatorin.
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