BERLIN. Bundespräsident Horst Köhler hält die Arbeit der Stasi-Unterlagen-Behörde auch 16 Jahre nach der deutschen Einheit weiterhin für unentbehrlich. In dieser Behörde werde nicht nur die Vergangenheit der SED-Diktatur aufgearbeitet, sondern zugleich auch etwas für die Stärkung der Demokratie geleistet, sagte er gestern nach einem Rundgang durch die Archive in der Berliner Normannenstraße, dem einstigen Hauptquartier von DDR-Stasi-Minister Erich Mielke. Besonders der jungen Generation könne hier anhand von Einzelschicksalen "die menschenverachtende Vorgehensweise der Stasi sehr gut vermittelt werden", sagte Köhler.Der Bundespräsident besichtigte unter anderem die Zentrale Personenkartei, in der die Stasi 5,4 Millionen Menschen registrierte, vom bespitzelten Opfer bis zum willigen Mitarbeiter und Helfer. Er ließ sich Überwachungsvideos der Stasi gegen Oppositionelle zeigen und Tonbandaufnahmen vorspielen, in denen Mielke die Schüsse auf einen Flüchtling kommentiert. Erstaunt betrachtete er Mikrofilme, auf denen die Stasi massenhaft heimlich geöffnete Briefe zwischen Verwandten und Freunden in Ost und West registrierte.Köhler lobte die "kompetente Arbeit" der Birthler-Behörde und mahnte, sich über deren Zukunft "sorgfältig Gedanken" zu machen. "Die Aufarbeitung der SED-Diktatur ist wichtig, und sie ist noch nicht beendet", sagte Köhler. Die von der Bundesregierung angekündigte Rente für SED-Opfer wertete Köhler als "einen Schritt nach vorn". Ob er sie für ausreichend halte, dazu wollte er sich nicht äußern. Die Rente soll nur an Menschen gezahlt werden, die mindestens sechs Monate politisch inhaftiert und heute bedürftig sind. "Auf jeden Fall muss man die Opfer weiter anhören", betonte Köhler. Behördenchefin Marianne Birthler wertete Köhlers Besuch als "ein Signal gegen jedweden Schlussstrich".------------------------------Foto: Bundespräsident Horst Köhler
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