Bundespräsident Horst Köhler öffnete am Sonntag Schloss Bellevue für Kinder und Jugendliche

König ohne Krone

Iris Brennberger
3 Min

Über den Bundespräsidenten hat sich Tom noch nicht viele Gedanken gemacht. "Ich glaube, der regiert die Stadt", sagt der Neunjährige aus Kreuzberg. "Der regelt ganz viele Sachen - ein paar Fabriken oder so", schätzt dagegen Jenny (9) aus Mariendorf. Und Alice (7) aus Lichtenrade muss sich erst mit ihrer Mutter beraten, ehe sie sagt: "Der Präsident ist wie ein König. Nur ohne Krone."Tom, Jenny und Alice gehören zu den Kindern, die gestern beim Bundespräsidenten zu Besuch waren - zum Weltkindertag hat Horst Köhler zum Tag der offenen Tür ins Schloss Bellevue eingeladen. Die Besucher dürfen durch die Amtszimmer des Präsidenten bummeln, im Schlossgarten gibt es ein Kinderprogramm mit dem Musiktheater Atze, dem Tigerentenclub und dem Grips Theater, sowie ein Gewinnspiel mit Fragen zum Schloss und dessen Hausherren. Am Ende des Besuches wissen dann alle etwas besser Bescheid - was der Präsident macht, und vor allem, wo er arbeitet."Ich möchte, dass dieses Schloss ein Ort der Begegnung ist", sagt Horst Köhler zur Begrüßung der Besucher in der Eingangshalle. Beim Rundgang übers Fest nimmt er sich viel Zeit für die Fragen von großen und kleinen Besuchern. "Der zwölfjährige Dominik will wissen, ob der Präsident Fußball spielen kann. Ja, antwortet Horst Köhler, aber er spiele nicht mehr so oft wie früher. Paul (10) fragt, wie es bei den Paralympics in Peking war und unterhält sich mit dem Ehepaar Köhler über das Fechten, sein eigenes Hobby. Die sechsjährige Nicki, mit rosa Blümchen-Schminke im Gesicht, flüstert "Hallo", dann weiß sie nicht weiter. "Du siehst ja ganz toll aus", sagt Eva Luise Köhler und lächelt. Schon strahlt Nicki. "Die sind nett", sagt sie und schaut den Köhlers nach, wie sie umringt von Schaulustigen, Journalisten und Leibwächtern durch den Garten gehen."Da, im Pulk, ist er", ruft ein Mann und hebt seine kleine Tochter hoch, um ihr den Präsidenten zu zeigen. Andere fotografieren das Ehepaar Köhler. Später mischen sich die Köhlers zwischen die Kinder im Vorlese-Zelt der Stiftung Lesen. Im Schneidersitz sitzen sie auf dem Boden und hören Martina Dierks zu, die aus ihrem Buch "Prinzessin Polly" vorliest.Für die Kinder ist Köhler aber nicht der einzige Star an diesem Tag. "Gehen wir zum Präsidenten oder zum Tigerentenclub?", fragt eine Mutter ihre Tochter: "Erst zur Tigerente", sagt die Tochter. Auf der kann man Rodeo reiten, und die Warteschlange ist gerade kurz. Eine Menschenmenge steht um den Vorführring, wo die Hundestaffel der Polizei ihr Können zeigt. Pistolenschüsse knallen, der Polizeihund stürzt sich auf einen Bösewicht - die Zuschauer sind beeindruckt.Vorm Schloss können die Kinder in einen Hubschrauber der Bundespolizei klettern. Im Schloss besichtigen sie die Amtsräume, den Langhanssaal mit seinen "runden Ecken", den großen Saal mit einer festlich gedeckten Tafel für Staatsbankette und verschiedene Salons. Einer Familie aus Baden-Württemberg gefällt das edel möblierte Amtszimmer des Präsidenten: "Schlichte Eleganz", sei das, "gar nicht übertrieben".Gegen Ende seines Rundgangs sagt Köhler: "Das Wichtigste an so einem Tag ist, dass die Scheu abgebaut wird". Bei vielen ist ihm das gelungen. Auch bei Dominik. "Ich hatte mir den Präsidenten viel strenger vorgestellt", sagt der Zwölfjährige.------------------------------Foto: Präsident zum Anfassen: Horst Köhler und seine Frau Eva Luise begrüßen einen sehr jungen Gast im Schlossgarten.

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