Ermittlungen

Bundeswehr in Weißenfels: Ermittlungen nach Sex-Wettbewerb um junge Rekrutinnen

Ermittlungen wegen mutmaßlicher Übergriffe, Drogen und möglicher Versäumnisse von Vorgesetzten. Der Fall beim Sanitätsregiment 1 in Sachsen-Anhalt wirft unbequeme Fragen auf.

3 Min
Im Sanitätsregiment 1 in Weißenfels sollen Rekrutinnen Opfer von sexuellen Übergriffen geworden sein (Symbolbild).

Im Sanitätsregiment 1 in Weißenfels sollen Rekrutinnen Opfer von sexuellen Übergriffen geworden sein (Symbolbild).

© IMAGO/Objektfoto / Ballasch

Neun Soldaten dürfen die Kaserne nicht mehr betreten, sieben vorerst keinen Dienst leisten und keine Uniform tragen. Gegen acht Militärs wurden Disziplinarverfahren eingeleitet, fünf Fälle gingen an die zivile Staatsanwaltschaft außerhalb der Bundeswehr. Die Zahlen zeigen, wie umfangreich die Ermittlungen beim Sanitätsregiment 1 in Weißenfels inzwischen sind. Im Zentrum stehen schwere Vorwürfe: sexuelle Übergriffe, Drogenmissbrauch und ein problematischer Umgang mit Beschwerden.

Nach bisherigen Medienberichten sollen sich Soldaten einen Wettbewerb darum geliefert haben, mit möglichst vielen weiblichen Angehörigen der Einheit Sex zu haben – das ist grundsätzlich nicht strafbar. Entscheidend ist, ob es dabei zu Verbrechen kam, etwa zu sexuellen Handlungen ohne entsprechende Einwilligung der betroffenen Personen. Mindestens eine mutmaßlich Betroffene soll laut übereinstimmenden Medienberichten zum Tatzeitpunkt minderjährig gewesen sein. Auch daraus ergibt sich nicht automatisch eine Straftat. Maßgeblich sind dabei unter anderem das Alter aller Beteiligten und die konkreten Umstände.

Auch Führungskräfte im Fokus

Die Ermittlungen beschränken sich offenbar nicht nur auf die mutmaßlichen Täter. Nach einem Bericht von ZDFheute vom 14. Oktober sollen auch die Vorgesetzten in den Skandal verwickelt sein. Dem Bericht zufolge steht der Vorwurf im Raum, dass das Führungspersonal ein Klima begünstigt habe, in dem massive Dienstvergehen und sexuelle Gewalt überhaupt erst möglich waren und etwaige Schutzmaßnahmen ergriffen wurden.

Bislang wurden nach Bundeswehrangaben 45 Personen vernommen. Eine dreistellige Zahl an Befragungen ist vorgesehen. Inwiefern Vorgesetzte von den mutmaßlichen Übergriffen wussten, ob Beschwerden zuvor eingegangen waren und ob Hinweise nicht angemessen verfolgt wurden, ist öffentlich bislang nicht abschließend geklärt.

Neben den Vorwürfen sexueller Übergriffe wird laut Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) auch wegen des Verdachts auf Drogenhandel mit Amphetaminen und Testosteron ermittelt. Hinzu kommen mögliche Straftaten im Zusammenhang mit Bedrohungen und der Unterdrückung von Beschwerden. Welche Vorwürfe sich gegen welche einzelnen Beschuldigten richten, ist noch nicht in allen Fällen bekannt.

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Warum dienen Minderjährige bei der Bundeswehr?

Dass eine mutmaßlich Betroffene zum Tatzeitpunkt minderjährig gewesen sein soll, wirft auch Fragen zum Schutz junger Rekrutinnen auf. In Deutschland können Freiwillige bereits mit 17 Jahren den militärischen Dienst antreten. Dafür ist unter anderem die Zustimmung der Erziehungsberechtigten erforderlich.

Kein neues Thema für die Bundeswehr

Sexualisiertes Fehlverhalten beschäftigt die Bundeswehr schon seit längerer Zeit. Der Jahresbericht 2024 der damaligen Wehrbeauftragten Eva Högl (SPD) dokumentierte 376 meldepflichtige Ereignisse wegen des Verdachts auf Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Im Jahr 2023 waren es 385, 2022 insgesamt 357. Die Zahlen beschreiben lediglich gemeldete Ereignisse und sind nicht mit bestätigten Straftaten gleichzusetzen. Zudem gehen Experten von einer hohen Dunkelziffer aus.

Beim Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken etwa ging es unter anderem um Vorwürfe sexualisierten Fehlverhaltens, Drogen und Extremismus. Die Fälle sind voneinander unabhängig. Sie zeigen jedoch, dass die Frage nach dem Umgang mit solchen Vorwürfen über den Standort Weißenfels hinausreicht.

Eine wissenschaftliche Dunkelfeldstudie des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr soll genauer untersuchen, welche Ursachen sexualisiertes Fehlverhalten begünstigen, warum Betroffene Vorfälle möglicherweise nicht melden und wie wirksam bestehende Schutzmechanismen sind. Ergebnisse werden für Ende dieses Jahres erwartet.

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