Sachsen-Anhalt

Bundeswehr-Soldaten legen Gelöbnis ab – Linksjugend verteilt Organspendeausweis

145 Rekruten haben auf dem Marktplatz in Halle (Saale) ihr Gelöbnis abgelegt. Bundeswehr und Polizei waren vor Ort - Störaktionen wurden eilig unterbunden.

4 Min
145 Rekruten des Sanitätsregiments 1 leisteten heute auf dem Marktplatz in Halle Saale ihr Gelöbnis.

145 Rekruten des Sanitätsregiments 1 leisteten heute auf dem Marktplatz in Halle Saale ihr Gelöbnis.

© Willy Weyhrauch

Polizeiwagen an jeder Ecke, Bundeswehr-Uniformen patrouillieren über den Marktplatz, Absperrungen prägen das Gelände vor dem roten Turm – eines der Wahrzeichen der Stadt Halle (Saale). Von einem Dach überblicken Einsatzkräfte die Lage. Es ist noch früh: Das feierliche Gelöbnis startet erst in einer Stunde, als Limes Schäfer mit Organspendeausweisen durch die Reihen der Besucher zieht.

„Den Menschen hier wird die Präsenz der Bundeswehr im öffentlichen Raum aufgezwungen“, sagt der Bundessprecher der Linksjugend. „Wir haben überlegt, wie wir unseren Protest zum Ausdruck bringen können und haben uns dafür entschieden.“ Schäfer wolle die Rekruten nicht verteufeln, aber sie nach eigenen Angaben davor schützen, für die Interessen von Großkonzernen ihr Leben zu riskieren. Weit kommen er und seine Begleiter jedoch nicht.

Drei Vollzugsbeamte tauchen nach kurzer Zeit auf, legen den Dreien nah, den Platz zu verlassen. Widerrede duldet der Mann in Uniform nicht. Nach wenigen Minuten sind sie verschwunden. Ansonsten bleibt das Gelöbnis auf dem Marktplatz weitestgehend störungsfrei. Eine bereits im Vorfeld angekündigte Demo bringt sich auf der gegenüberliegenden Seite in Stellung.

Ein paar wenige fanden sich zur Demonstration in Halle (Saale) ein.

Ein paar wenige fanden sich zur Demonstration in Halle (Saale) ein.

© Willy Weyhrauch

Demonstration gegen Vereidigung

„Es liegt nicht in unserem Interesse, für Kriege zu sterben“, sagt die 18-jährige Luise, die mit dem Megaphone ihr Anliegen schallend Ausdruck verleiht. „Wir positionieren uns gegen die Wehrpflicht“, sagt sie, die hier im Namen der internationalen Jugend demonstriere. Viele Sympathisanten findet die Gruppe allerdings nicht. Denn: Bei Weitem nicht alle blicken auf das Gelöbnis so kritisch, das nach Jahrzehnten wieder in der Innenstadt abgehalten wird.

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Grund dafür sei laut Auskunft der städtischen Pressestelle die CDU-Initiative im Jahre 2023. Die solle die Partnerschaft zwischen der Stadt und der Bundeswehr stärken, teilt der Vize-Pressesprecher Peter Godzagar mit. „Ein öffentliches Gelöbnis bietet dazu die Gelegenheit. Halles Oberbürgermeister Alexander Vogt hatte sich daraufhin an das Weißenfelser Sanitätsregiment gewandt und ein öffentliches Gelöbnis auf dem Marktplatz angeregt.“ Das letzte Ereignis dieser Art habe wohl im Jahr 1997 stattgefunden. Künftig solle das wieder häufiger der Fall sein. Unter den Hallensern und Touristen trifft das Event jedenfalls auf Interesse – und auf Kritik gegenüber den Demonstranten.

Zwei Damen im fortgeschrittenen Alter sagen beispielsweise mit Blick auf die Demo-Transparente: „Ich bin mal gespannt, ob sie ihre Plakate auch noch hochhalten, wenn wirklich einmal etwas passiert.“ Sie seien wegen der Marschmusik hier, sagen die beiden Frauen dieser Zeitung. Den Protest sähen sie kritisch – ähnlich wie wohl auch der restliche Andrang an diesem Tag. Als eine Gruppe kurz vor Beginn die Stimme erhebt, wird sie niedergebuht und mit scharfen Worten aus der Menge bedacht. Wie zuvor bei der Linksjugend sind auch in diesem Fall die Beamten zügig zur Stelle.

Friedensdemonstranten bei Bundeswehr-Gelöbnis in Halle (Saale).

Friedensdemonstranten bei Bundeswehr-Gelöbnis in Halle (Saale).

© Willy Weyhrauch

145 Rekruten der Bundeswehr

Parallel marschiert die eigentliche Hauptattraktion – die Rekruten des Sanitätsdienstes – auf den Platz, erkennbar an der schieren Zahl und dem kobaltblauen Barett auf dem Haupt. Oberbürgermeister Alexander Vogt (parteilos) übernimmt die Begrüßung, bedankt sich „für die Entscheidung dem Land zu dienen“, die freiheitlichen Werte zu verteidigen und Verantwortung zu übernehmen. Frieden sei in diesen Zeiten keine Selbstverständlichkeit mehr, sagt er. Der Sanitätsdienst habe die Aufgabe, Menschen zu versorgen und „Leben zu retten“. Den Rekruten gebühre deswegen „Respekt“ und „Anerkennung“. Abschließend wünscht er ihnen Erfolg, Zusammenhalt und dass sie wohlbehalten und gesund zurückkehren.

Nach weiteren Reden aus der Bundeswehr selbst folgt auf dem Marktplatz das Gelübde. Kurze Zeit später die Nationalhymne, die den Schlussakkord der Veranstaltung einläutet. Am Ende gibt es noch die Chance auf Erinnerungsfotos, dann zerstreut sich die Menge.

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