Burg zwischen Spree und Dahme / Köpenicker Schloßinsel schon in urgeschichtlicher Zeit bewohnt

Der Kurfürst fischte "auf der Miggel"

Gaby Huch
4 Min

Schlösser in Berlin -- es sind erstaunlich viele. Eine Beltragsfolge möchte Sie mit ihrer Geschichte bekannt machen. Lesen Sie heute einen Beitrag über das Schloß Köpenick."Von den blauen Fluten der Spree und Dahme hebend umfangen, welche sich hier ein Rendezvous geben, uni nun vereint der Reichshauptstadt entgegenzufließen, liegt auf einer waldigen Flußinsel, unter schattenden Eilen und Weiden verborgen, das alte historische Schloß Köpenick/ So war es schon vor hundert Jahren im Baedeker zu lesen.Die Köpenicker Schloßinsel war bereits in urgeschichtlicher Zeit bewohnt. Im 12. Jahrhundert residierte in der slawischen Burganlage Jacza de Copnic, der legendäre letzte Wendenfürst der Mark. Von ihm berichtet die Sage, daß er auf der Flucht vor den Streitern Albrechts des Bären beim Durchschwimmen der Havel gelobt habe, Christ zu werden, wenn der Christengott ihm das Leben rette.In dieser Zeit wurde die von den Deutschen eroberte Burg Schutzfeste der Siedler. Seit Ende des 14. Jahrhunderts wechselte sie wiederholt den Besitzer, auch die Quitzows, die gefürchteten Raubritter der Mark, hielten die Feste besetzt. Friedrich Burggraf von Nürnberg, der erste Hohenzollern-Herrscher In der Mark, rang den räuberischen Adel nieder und übemalun Kopenick als landesherrllchen Besitz.Unter Joachim 1. bekamen Burg und Festung eine neue Bestimmung -- der Kurfürst machte Köpenick zu seinem Jagdrevier. Joachim 11. ließ 1558 anstelle der Burg ein Jagdschioß errichten -- mit Türmen und festen Mauern. Im Dreißigjährigen Krieg bezog der Schwedenkonig Gustav Adolph dort Quartier. Wenig später ließ der Große Kurfürst Im Schioß eine Goldmacherwerkstatt einrichten -- die leeren Kassen wurden dadurch nicht voller.Kurfürst Friedrich Wilhelm begann 1677 mit dem Umbau des Schiosses für seinen Sohn Friedrich 111. Dieser liebte -- so die Chronik -- die "Fischerei zu Else mit dem großen Garn auf der Miggel", der er als Oberfischmeister beiwohnte.Durch den Umbau sollte ein modernes Schloß entstehen, aber die Errungenschaften der barocken Schioßbaukunst waren dem Baumeister Rutger van Langeveld wahrscheinlich nur vom Hörensagen bekannt. Das dadurch entstandene Nebeneinander von alten und modernen Elementen verlieh dem Bauwerk allerdings einen Reiz, den es bis heute besitzt. Schon die Anlage mutet eigenartig an: Das Schloß liegt rechts von der Einfahrt, es wendet dem Ort seine Schmalseite zu. Gegenüber befindet sich die von Nering erbaute Schioßkapelle, der erste Kuppelbau in der Mark Brandenburg, Wirtschaftsgebäude schließen sich an. Dazu gehörte auch ein Brauhaus, "darin der Moll, ein angenehmes und sehr schmackhaftes Bier" gebraut wurde.Ein von Wachhäusern flankiertes Portal schirmt den Hof gegen die Außenwelt ab. Im Park soll, wird berichtet, "die erste Aloe In diesem I.ande Anno 1712" geblüht haben, "welche 31 Fuß hoch gestiegen, 44 Aste und an denenselben 7277 Blumen" hatte.Der schönste Saal des dreistöckigen Schlosses, der Wappensaal, befindet sich im obersten Bereich des rechten Seitenflügels. In diesem Saal trat 1730 auf Befehl Friedrich Wilheinis 1. das Kriegsgericht über den "desertirten Obristiteutenant Fritz" (der spätere Friedrich der Große) und seinen Freund Leutnant von Kalte zusammen, der dann in Küstrin enthauptet wurde. Zwanzig Jahre später gehörte das Gebäude der verwitweten Erbprinzessin Marie Henriette. Mit ihr zog in die Räume das märkische Rokoko ein. Nach ihrem Tod blieb das Schloß unbewohnt, bis es der Generalleutnant Graf Carl Friedrich Wilhelm von Schmettau -- der Schöpfer der ersten "Generalkarte" des preußischen Staates -- für 11 000 Taler kaufte. Verschiedene andere Eigentümer folgten.Im Winter 1812/13 wurde das Schloß zum Hauptquartier des Stiefsohnes Napoleons, der die Trümmer der "Großen Armee" nach Frankreich zurückführen sollte. In den folgenden Jahrzehnten diente es verschiedenen Zwecken, war Traindepot der Preußischen Armee, Staatsgefängnis, Volksschullehrerseminar, Volkshaus, Wirtschaftsschule sowie Unterkunft des Staatlichen Volkskunstensembies der DDR.Als Kunstgewerbemuseum begann für das Schloß eine neue Etappe. Am attraktivsten präsentiert sich der Wappensaal. Zu den gezeigten Kostbarkeiten gehören der "Giselaschmuck" und das barocke Silberbüfett aus dem Rittersaal des Berliner Stadtschlosses.Lesen Sie demnächst: Das "stille weiße Haus" im Tegeler Forst.Wendenfürst floh Ein guter Moll gebraut Giselaschmuck im Saal

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