Das Bezirksamt Mitte hat den Abriss des einsturzgefährdeten Wohnhauses in der Burgsdorfstraße 1 im Wedding abgeschlossen. Nach rund zehn Jahren Sperrung soll die Straße am Nachmittag des 16. Oktober 2026 wieder für den Verkehr öffnen.
Das teilte Bezirksstadtrat Ephraim Gothe (Stadtentwicklung und Facility Management) am Donnerstag. Für Anwohner und das benachbarte Prime Time Theater endet damit ein jahrelanger ordnungsrechtlicher Fall. Die Kosten der sogenannten Ersatzvornahme stiegen nach Angaben des Bezirksamts auf fast das Doppelte der ursprünglichen Kalkulation.
Warum die Burgsdorfstraße im Wedding jahrelang gesperrt war
Die Geschichte des Hauses reicht weit zurück. Bereits 2004 musste ein Seitenflügel aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. 2017 stellte ein Gutachten auch am Vorderhaus Einsturzgefahr fest. Daraufhin ließ der Bezirk die Straße sperren; für Fußgänger blieb nur ein schmaler Gehweg. Für Autos ist die Straße seit Oktober 2017 dicht.
Der Eigentümer wehrte sich juristisch gegen die Maßnahmen und sagte 2018 vor Gericht eine umfassende Sanierung zu. Passiert war danach wenig.
Rattenbefall und Umsatzeinbußen: Die Folgen für den Kiez
Die lange Sperrung belastete Anwohnende und Gewerbe erheblich. Besonders betroffen war das benachbarte Prime Time Theater. Der Intendant beschrieb die Lage als „Katastrophe“ für das Gewerbe und berichtete von Rattenbefall im leerstehenden Haus, wie die Berliner Morgenpost berichtete. Auch umliegende Geschäfte klagten demnach über Umsatzeinbußen.
Das Theater ist seit Frühjahr 2009 an diesem Standort. Fast die Hälfte dieser Zeit war die Straße vor der Tür für Autos gesperrt.
Abriss per Ersatzvornahme – wie der Bezirk Mitte vorging
Weil die Eigentümerin trotz mehrfacher Aufforderung nicht sanierte, griff der Bezirk zur Ersatzvornahme. Ein zunächst eingeleitetes Verfahren war an verfahrensrechtlichen Fehlern gescheitert.
Im Juli 2025 beauftragte das Bezirksamt eine Fachfirma mit dem Abriss. Ursprünglich sollten die Arbeiten laut Entwicklungsstadt schon im Juli 2025 starten und etwa acht Wochen dauern.
Tatsächlich begannen sie nach Angaben des Bezirksamts erst im September 2025 und wurden im Oktober 2026 beendet. Verzögert hatte sich der Start auch wegen des Artenschutzes: Möglicherweise brüteten Haussperlinge im Gebäude, was geprüft werden musste.
Einsturzgefahr und Handarbeit: warum der Abriss so aufwendig war
Der Abbruch stellte die Beteiligten vor große technische Probleme. Weil die Gebäude wegen akuter Einsturzgefahr nicht betreten werden durften, musste der Rückbau ausschließlich von der Straßenseite aus erfolgen.
Abgerissen wurden das Vorderhaus und beide Seitenflügel – mitten aus einer geschlossenen Häuserzeile heraus. Der anfallende Bauschutt musste nach Angaben des Bezirksamts größtenteils in Handarbeit und nach den Abfallvorschriften sortenrein getrennt werden. Zugleich durften die Nachbargebäude keine Schäden davontragen.
Kosten fast verdoppelt – die Rechnung geht an die Eigentümerin
Der hohe manuelle Aufwand sorgte für erhebliche Verzögerungen. Damit stiegen auch die Kosten. Ursprünglich war die Maßnahme mit knapp 800.000 Euro kalkuliert. Am Ende lagen die Gesamtkosten nach Angaben des Bezirksamts bei fast dem Doppelten.
Die Rechnung der Ersatzvornahme soll die Grundstückseigentümerin tragen. Vorerst trägt der Bezirk die Kosten selbst.
Am Freitag, dem 16. Oktober, soll die Burgsdorfstraße am Nachmittag wieder frei sein. Die Freigabe ist für 14.45 Uhr geplant. Konkrete Pläne für die Fläche gibt es noch nicht.
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