Sturmtief "Kyrill" war noch weit entfernt, da hatte es schon weite Teile der Berliner Verwaltung lahm gelegt. Als erstes stellte das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf die Arbeit ein: Um 11.45 Uhr wurde das amtsinterne Computernetzwerk abgeschaltet, um 12 Uhr der Hauptrechner, um 13 Uhr war auch für die Mitarbeiter Schluss. "Wir bitten im Interesse der eigenen Sicherheit um Ihr Verständnis", teilte das Amt mit.In den darauffolgenden zwei Stunden zogen die meisten anderen Bezirke nach. Seniorenveranstaltungen und Wochenmärkte wurden ebenso abgesagt wie Bezirksparlamentssitzungen. Nur in den Neuköllner Behörden lief fast alles wie immer: Dort konnte nur nach Hause, wer sich um Kinder oder Eigentum kümmern musste. Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) zeigte sich verärgert über die anderen Bezirke: "Ich bin irritiert, dass die halbe Berliner Verwaltung mittags den Betrieb einstellt, weil Sturmspitzen zwischen 21 und 22 Uhr angekündigt wurden." Die Behörden seien zum Schutz des Bürgers da. Es sei unglaublich, "dass die Verwaltung als Erste abhaut".Aber auch in Institutionen und landeseigenen Unternehmen durften Mitarbeiter früher nach Hause - so in der Akademie der Künste und der Wissenschaftsstadt Wista. Eher Feierabend gab es auch in Privatunternehmen wie Schering, beim Software-Hersteller Magix und im DaimlerChryslerQuartier am Potsdamer Platz. Viele Unternehmen entschlossen sich zudem zu Vorsichtsmaßnahmen: So machten die Bäderbetriebe um 14 Uhr alle Schwimmhallen dicht. "So etwas gab es bei uns noch nie", bestätigte Unternehmensvorstand Michael Schenk, "aber wir hatten auch noch nie so eine Sturmwarnung." Viele Hallen hätten große Fenster, die zu Bruch gehen könnten. Ähnlich verfuhr die BSR: Zum Schutz vor herumfliegendem Müll wurden um 14 Uhr die Recyclinghöfe geschlossen.Später wurden auch Abendveranstaltungen abgesagt - in der Humboldt-Universität etwa. Wer Karten fürs Veranstaltungszelt Tipi, die Bar jeder Vernunft oder das Tempodrom hatte, musste ebenfalls zu Hause bleiben: Die Vorstellungen fielen aus. Vor verschlossenen Türen standen auch Kunden am Kreuzberger Mehringdamm - dort waren die Läden ab 14 Uhr zu. Auch der Kaufhof am Alexanderplatz schloss früher. (BLZ)
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