Bush schließt sich Scharons hartem Kurs nicht an

Das Weiße Haus gibt Arafat noch eine Chance

Peter De Thier
2 Min

WASHINGTON, 8. Februar. US-Präsident Bush hat sich den Aufforderungen des israelischen Premiers Ariel Scharon widersetzt, den palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat diplomatisch zu isolieren. Nach Gesprächen in Washington erklärte Bush, dass "Herr Arafat meine Botschaft gehört hat: Er muss alles in seiner Macht Stehende tun, um weitere Terroranschläge zu verhindern." Scharon hatte das Weiße Haus hingegen zum Bruch mit Arafat aufgefordert. "Je deutlicher seine Irrelevanz und Machtlosigkeit erkennbar werden, desto schneller wird es eine neue Führung geben", sagte Scharon nach Gesprächen mit Bush und dessen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice. Arafat sei "der Einzige, der sich bei der Terrorbekämpfung durchsetzen kann, doch er will es nicht. Andere aus der Führungsriege hingegen wollen dem Terror Einhalt gebieten, doch sie können es nicht." Bereits im Vorfeld des Treffens hatte es Außenminister Colin Powell abgelehnt, Arafat als Gesprächspartner fallen zu lassen. So bemühte sich Scharon dann auch, die Differenzen zwischen beiden Regierungen herunterzuspielen. Es habe "nicht die Spur einer Meinungsverschiedenheit gegeben", versicherte er nach seinem insgesamt vierten Treffen mit Bush. Israels Verteidigungsminister Ben Elieser, der sich ebenfalls in Washington aufhält, erklärte sogar, die beiden Regierungen befänden sich in ihrer Ablehnung des palästinensischen Präsidenten in voller Übereinstimmung. "Er kann ruhig gehängt werden"Ben Elieser bezeichnete die Haltung von US-Vizepräsident Dick Cheney gar als "extrem". So habe ihm Cheney bei einem Gespräch gesagt, von ihm aus könne "Arafat ruhig gehängt werden". Cheney wird im nächsten Monat Israel und acht arabische Länder besuchen. Bush äußerte nach dem Treffen mit Scharon auch seine tiefe Sorge über das "Elend normaler Palästinenser, Mütter und Väter, die ihre Kinder großziehen wollen". In seinem Haushalt seien daher auch dreihundert Millionen Dollar Wirtschaftshilfe für die Palästinenser vorgesehen. Scharon erklärte dazu, es stehe Arafat frei, endlich Schritte zur Bekämpfung des Terrorismus zu unternehmen. Dadurch würde sich dann auch die wirtschaftliche Situation unschuldiger Palästinenser deutlich verbessern. Der israelische Premier kündigte zugleich einen Hilfsplan an, der über mehrere Jahre im Gazastreifen über hunderttausend neue Arbeitsplätze schaffen werde.

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