Ein neues Gleis, das längst abgeschrieben ist: In der Müggelheimer Straße in Köpenick fahren die Straßenbahnen seit dem 23. Dezember 2024 auf zwei Gleisen. Eines davon wird die BVG wieder herausreißen.
Betroffen ist der Abschnitt zwischen Schlossplatz und östlichem Anschluss, im Regelbetrieb befahren von der 62 Richtung Wendenschloß und der 63 zum Krankenhaus Köpenick. Über den geplanten Rückbau berichtete zuerst das Fachportal Entwicklungsstadt.
Köpenick: Zweites Gleis war von Anfang an ein Provisorium
Der Abriss ist keine kurzfristige Kehrtwende. In den BVG-Unterlagen von 2024 trägt die Anlage bereits die Bezeichnung „2. Gleis Müggelheimer Straße (Provisorium)“.
Der Zweck war eng begrenzt: Wendenschloß, das Krankenhaus und Teile der Altstadt sollten während der Bauphasen möglichst lange mit der Tram erreichbar bleiben.
Am Ende der Altstadt-Baustelle sollte das Gleis wieder verschwinden, gleichzeitig sollten die verkehrsberuhigten Bereiche entstehen. Verschoben hat sich nur der Termin.
Baustelle Altstadt Köpenick dauert bis Frühjahr 2028
Seit Februar 2025 erneuern BVG und Berliner Wasserbetriebe in der Altstadt Gleise, Weichen, Haltestellen, Leitungen und Kanäle. Rund zwei Kilometer Straßenbahninfrastruktur stehen auf dem Programm.
Fertig sein sollte alles im Herbst 2027. Inzwischen nennt das Unternehmen das Frühjahr 2028 als Enddatum. Als Gründe führt die BVG einen langen, strengen Winter an, in dem Erd-, Asphalt- und Betonarbeiten stillstanden, dazu die enge Abstimmung mehrerer Gewerke auf wenigen Metern.
Was das für die Geschäfte bedeutet, hat der Berliner Kurier beschrieben: In der Kirchstraße ist der Straßenzug seit Dezember 2025 gesperrt, eine Cafébetreiberin berichtet von extremen Umsatzeinbußen.
Warum die BVG das neue Gleis nicht behalten darf
Bei der Informationsveranstaltung zur Langen Brücke im Juli fragte eine Anwohnerin genau danach. Warum wird die frisch geschaffene Zweigleisigkeit wieder aufgegeben, wenn wenige Jahre später ohnehin zwei durchgehende Gleise geplant sind?
Die BVG verwies auf das fehlende dauerhafte Planungsrecht. Das heutige Gleis durfte als befristetes Provisorium für die Altstadt-Baustelle entstehen.
Eine dauerhafte Änderung der Anlage braucht dagegen eine eigene Genehmigung. Neue Weichen und Gleise lassen sich nach Angaben des Unternehmens nicht allein deshalb errichten, weil in einigen Jahren eine passende Baumaßnahme geplant ist. Der Ausbau muss Bestandteil des Planfeststellungsverfahrens für die Lange Brücke werden.
Kritiker halten das für vermeidbare Verschwendung. Die Tageszeitung nd nannte den Rückbau kurios, weil die Zweigleisigkeit an dieser Stelle dauerhaft sinnvoll wäre.
Lange Brücke: Zweigleisigkeit kommt erst nach 2034
Die Planung dafür läuft. Mit dem Ersatzneubau der Langen Brücke soll die Tram zweigleisig in Mittellage über die Dahme und weiter in die Müggelheimer Straße fahren. Die Präsentation der Senatsverwaltung weist dafür eine eigene „Anschlussplanung – 2. Gleis Müggelheimer Straße“ aus.
2027 soll die Genehmigungsplanung beginnen, für 2027 und 2028 ist das Planfeststellungsverfahren vorgesehen, 2029 folgen die Ausschreibungsunterlagen. Gebaut werden soll von 2030 bis 2034, veranschlagt sind rund 76 Millionen Euro.
Während der Bauzeit soll nach jetzigem Stand keine Straßenbahn über die Brücke fahren. Geplant ist Schienenersatzverkehr mit Bussen, die Linienführung steht noch nicht fest.
Straßenbahn Köpenick: Zwischen zwei Großbaustellen
Für Fahrgäste ergibt das eine unbequeme Reihenfolge. Erst investiert die BVG in ein zweites Gleis, um die laufende Baustelle zu bewältigen, dann muss das Provisorium weichen. Ab 2030 verschiebt sich die Baustelle mit der Brücke nur ein paar hundert Meter nach Westen.
Dabei ist die Zweigleisigkeit im Bezirk seit Jahren gewollt. Ein bezirkliches Planungsdokument nennt sie einen wichtigen Baustein für die Anbindung von Wendenschloß und den Allende-Vierteln.
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