Die Gäste bei der Sendung „Caren Miosga“ im Ersten Deutschen Fernsehen haben am Sonntagabend über die Situation in Grönland und die Forderungen des US-Präsidenten Donald Trump diskutiert. Zu Gast waren dabei der SPD-Politiker und ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments Martin Schulz, der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger sowie die internationale Korrespondentin der Zeit Rieke Havertz.
Am Sonntag kamen die Botschafter der 27 EU-Staaten zu einer Krisensitzung zusammen, um auf die Drohungen von Trump zu reagieren. Dieser hatte angekündigt, neue Zölle gegen europäische Länder zu verhängen, bis diese bereit seien, Grönland an die Vereinigten Staaten zu verkaufen.
Ischinger und Schulz gestehen Fehleinschätzung ein
Laut Ischinger muss die Übernahme Grönlands für die Vereinigten Staaten mit erheblichen wirtschaftlichen und politischen Kosten verbunden sein.
„Es ist notwendig, der amerikanischen Seite die Folterwerkzeuge zu zeigen“, sagte Ischinger in der Sendung. Gleichzeitig räumte der langjährige Diplomat ein, die Grönland-Forderungen Trumps anfangs falsch eingeschätzt zu haben. „Ich dachte, das sind kleine Ablenkungsmanöver. Ich lag falsch“, so Ischinger.
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Auch Schulz gestand Fehleinschätzungen ein. Als Miosga ihn auf seine frühere Ablehnung erhöhter Militärausgaben ansprach, sagte er: „Ich habe mich getäuscht.“ Er bezeichnete die Situation als „die größte Krise der Nato“. Der Nato-Vertrag sehe gegenseitigen Beistand vor, nun drohe das größte Mitglied einem anderen Land mit militärischer Gewalt. „Das ist eine dramatische Veränderung der internationalen Politik durch einen Mann, der sichtlich glaubt, keine Grenzen mehr zu kennen“, sagte der ehemalige EU-Parlamentspräsident.
Ischinger: Wollen „keinen Krieg mit Amerika“
Als mögliches Druckmittel nannte Schulz die Regulierung und Besteuerung amerikanischer Digitalkonzerne sowie die Wirtschaftsmacht von 450 Millionen Verbrauchern in der EU. „Die Sprache, die Herr Trump versteht, ist vor allen Dingen seine eigene: Wenn du uns so kommst – wir sind vorbereitet“, erklärte er.
Ischinger schlug vor, dass ein europäischer Politiker noch vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos nach Washington hätte fliegen sollen, um mit Trump zu sprechen. Man müsse deutlich machen, „dass wir jetzt keinen Krieg mit Amerika wollen und bitteschön auf dem Teppich bleiben“.
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