Eigentlich hätten sie laut Gerichtsbeschluss in Flammen aufgehen, vom Schredder gefressen oder sonst wie zerstört werden sollen. Zehn Werke des schwedischen Künstlers Carl Johan De Geer, die seit fast 60 Jahren als vernichtet galten, sind in einem Pappkarton im Polizeimuseum von Stockholm wieder aufgetaucht. Das berichten Sveriges Radio und der Fernsehsender SVT. Entdeckt wurden sie bei Recherchen der P1-Sendung „Klassikern“.
Was gefunden wurde
Gefunden wurden drei Exemplare von „Skända flaggan“ („Schändet die Flagge“) mit einer brennenden schwedischen Flagge, drei von „USA mördare“ („USA – Mörder“) und vier von „Vägra vapen“ („Verweigert die Waffen“). Die Drucke von „Skända flaggan“ sind als Probedrucke markiert und tragen einen handschriftlichen Zusatz in Bleistift.
Beschlagnahmt, verurteilt, nie zurückgegeben
Die Polizei hatte die Werke 1967 beschlagnahmt, nachdem De Geer sie in der Stockholmer Galleri Karlsson gezeigt hatte. Der Künstler wurde wegen Verunglimpfung eines Staatssymbols und Aufwiegelung zu 75 Tagessätzen verurteilt, die Bilder sollten vernichtet werden. Zurückbekommen hat er sie nie. Die Botschaften der Kunstwerke haben nichts von ihrer Unmissverständlichkeit verloren, aber das Gesetz, nach dem er verurteilt wurde, ist inzwischen geändert worden.
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Mehr„Lachen oder weinen“: De Geer reagiert überrascht
Ob Carl Johan De Geer seine Kunst zurückbekommt, ist noch nicht geklärt.
© IMAGO/Staffan Löwstedt/SVD/TT
Der heute 88-Jährige habe nicht gewusst, ob er lachen oder weinen solle, sagte er SVT. Er möchte die Originale zurückhaben oder sie in einem Museum zugänglich machen.
Polizeimuseumschef Henrik Lindborg erklärte, man wisse nicht, warum die Werke nicht vernichtet wurden. Ob der Künstler sie zurückerhält, sei offen, zunächst müsse die zuständige Behörde die rechtlichen Fragen klären. Lindborg nannte die Arbeiten Teil des schwedischen Kulturerbes und schloss eine Ausstellung nicht aus.
Wer ist Carl Johan De Geer?
De Geer wurde 1938 in Montreal geboren und stammt aus der Adelsfamilie De Geer, zählt aber zu den bekanntesten Vertretern der schwedischen Gegenkultur der 1960er-Jahre. Er arbeitet als Maler, Grafiker, Autor, Filmemacher und Musiker und gründete 1968 die Satirezeitschrift PUSS mit. Seine Arbeiten richteten sich gegen Wehrpflicht und Nationalismus. Nach der Ausstellung 1967 wurde er von der Sicherheitspolizei Säpo verhört.
2017 ehrte ihn die Regierung mit der Medaille Illis quorum. Er nannte das selbst „absurd“: Erst werde man als Vaterlandsverräter verhört, 50 Jahre später gebe es eine Medaille.
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