Der Bau der neuen Daumstraße entwickelt sich zum gordischen Knoten für das östliche Gebiet der Wasserstadt. Die CDU-Fraktion fordert, die Planung für die Straße noch einmal zu überdenken. Die Christdemokraten wollen auf die vorgesehene Straßenbahn verzichten zugunsten einer schmaleren Trasse. Der Geschäftsführer der Wasserstadt GmbH, Jürgen Nottmeyer, erklärte im Stadtentwicklungsausschuß, eine neue Planung würde zu mindestens einem halben Jahr Zeitverzögerung für die Entwicklung großer Teile der östlichen Wasserstadt führen.In der Wasserstadt sollen auf beiden Seiten der Havel bis zum Jahr 2010 rund 30 000 Menschen in 13 000 Wohnungen leben. Damit ist die Wasserstadt das größte Wohnungsbauprojekt im Bezirk. Die Verkehrsführung stellt die Planer besonders im Bereich Haselhorst seit Jahren vor große Probleme. Zur Zeit gelangen die ersten Bewohner der neuen Quartiere über die Südbrücke und die Rhenaniastraße ins Haselhorster Zentrum. Dieses Provisorium soll von der neuen Daumstraße abgelöst werden, die auch den Verkehr der Rauchstraße und ihrer Verlängerung der geplanten Nordbrücke aufnehmen und nach Süden ableiten soll. Die neue Daumstraße ist vierspurig geplant. Zusätzlich sollen in der Mitte der Trasse Straßenbahnen fahren.Die Daumstraße stellt aber auch nicht die endgültige Lösung des Verkehrsproblems dar. Im Flächennutzungsplan aus dem Jahr 1994 ist eine neue Straße vorgesehen, die von der Nordbrücke nach Osten über die Insel Gartenfeld führt und den Durchgangsverkehr aufnehmen soll. Gegen diesen Plan hatte sich bisher die Firma Siemens verwehrt. Sie befürchtet Behinderungen des Verladebetriebs im Kabelwerk. Über dieses Gebiet würde die neue Straße unweigerlich führen.Nottmeyer sagte jetzt, seines Wissens habe Siemens gegenüber Senatsvertretern Kooperationsbereitschaft signalisiert, falls die neue Straße aufgeständert werde und die Verladung der Kabelrollen auf Schiffe unter ihr hindurchlaufen könne. Die Straße könne bis zur Fertigstellung der Wasserstadt im Jahr 2010 ebenfalls vollendet sein.Dem CDU-Verordneten Carsten-Michael Röding waren diese Angaben zu vage. Er forderte Baustadtrat Thomas Scheunemann (SPD) und Wasserstadt-Chef Nottmeyer auf, eine schmalere Alternative zur jetzigen Daumstraßenplanung zu entwickeln, bei der die Straßenbahn keine Rolle spielt.Vertreter der Bürgerinitiative "Kein Durchgangsverkehr durch Haselhorst" äußerten sich zufrieden darüber, daß die CDU eine geringere Breite für die neue Daumstraße fordert: "Es ist absurd, daß wegen eines sinnvollen ökologischen Verkehrsmittels wie der Straßenbahn eine ökologische Katastrophe angerichtet wird", sagte deren Sprecher Andreas Leistritz.
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