CDU-Fraktionschef Pflüger engagiert sich für Kreuzberg

Ein Brunnen als nationale Aufgabe

Thorkit Treichel
3 Min

Zwei Obdachlose liegen in ihre Schlafsäcke gehüllt gegenüber der Ruine des Pamukkale-Brunnens und schlafen. Einige Meter von ihnen entfernt stehen Dealer und verhandeln mit ihren Kunden, daneben spielen Kinder. Friedbert Pflüger, der Fraktionschef der CDU, steht auf der Terrasse des Cafés Edelweiß und schaut sich schweigend die Szene im Görlitzer Park in Kreuzberg an. Erst später, im Gespräch mit Irmgard Klette - einer 75-jährigen Anwohnerin, die für den Wiederaufbau des Brunnens kämpft -, sagt Pflüger, wie "unerträglich" er diesen offenen Drogenhandel findet, dass mehr Polizeipräsenz vonnöten sei und der Park nicht verkommen dürfe.Er beschließt, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) höchstpersönlich einzuschalten, um sie für den Wiederaufbau des Pamukkale-Brunnens zu gewinnen. "Für ein gutes und friedliches Zusammenleben zwischen Deutschen und Türken brauchen wir dieses Denkmal der Integration", sagt er. "Das ist eine nationale Aufgabe."Vor genau zehn Jahren wurde der Brunnen, eine Nachbildung der Kalksteinterrassen im türkischen Pamukkale, eingeweiht. 1,4 Millionen Mark bezahlte der Bezirk dafür. Doch nach nur sechs Wochen wurde das Wasser abgestellt, das aus Portugal importierte Gestein bröckelte. Seitdem streiten Bezirk und Architekt vor Gericht, wer Schuld am Zerfall trägt. Der nächste Gerichtstermin ist für November angesetzt. Pflüger schlägt vor, private Geldgeber aufzutreiben. "Ich kenne persönlich ein paar reiche Türken."Auf EntdeckungsreiseFriedbert Pflüger hat von dem Brunnen am Freitag zum ersten Mal gehört. An diesem regnerischen Tag unternimmt er mit Bezirks- und Landespolitikern der CDU eine Fahrradtour durch Friedrichshain-Kreuzberg. In der Sommerpause eine gute Gelegenheit, den Bezirk besser kennenzulernen.Am Vormittag hat Pflüger bereits zwei Firmen in Kreuzberg besucht. Nun fährt er auf seinem Fahrrad mit Kindersitz ohne Helm durch die Skalitzer Straße. "Ist die neu", fragt er den stellvertretenden Kreisvorsitzenden Sedat Samuray, als der Tross an einer Moschee vorbeikommt. "Sie wurde vor Kurzem eröffnet", antwortet dieser.Über die Oberbaumbrücke geht es später auf die andere Seite der Spree nach Friedrichshain. Am Stralauer Platz informiert Christian Meyer, Geschäftsführer der Investorengemeinschaft Mediaspree, den CDU-Fraktionsvorsitzenden über das gegenwärtig umstrittenste Bauprojekt der Stadt. Investitionen in Höhe von drei Milliarden Euro sind geplant, 30 000 Arbeitsplätze könnten entstehen, doch in einem Bürgerentscheid hat sich die Mehrzahl der Abstimmenden dagegen ausgesprochen. Sie fordern einen 50 Meter breiten Uferweg und wollen keine neuen Hochhäuser dulden.Ob die Investoren bereit seien, den Bürgern entgegenzukommen, will Pflüger von Geschäftsführer Meyer wissen. Dieser sagt, es werde einen durchgehenden Uferweg auf beiden Seiten der Spree geben, allerdings nicht 50 Meter breit. Mit dieser Antwort ist Pflüger zufrieden. Mediaspree sei ein "tolles Projekt" und müsse realisiert werden. "Die Investoren benötigen Rechtssicherheit, wir benötigen Investitionen", sagt er.Überraschend ist diese Haltung für einen CDU-Politiker nicht, sein Einsatz für den Pamukkale-Brunnen hingegen schon. Vielleicht hat Friedbert Pflüger nach seinem Kampf für den Erhalt des Tempelhofer Flughafens mit einer Kampagne für einen Brunnen in Kreuzberg SO 36 bei den Berlinern mehr Erfolg.------------------------------"Wir brauchen dieses Denkmal der Integration." Friedbert Pflüger, Fraktionschef der CDU

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner