BRANDENBURG/HAVEL. Die Regierungsmannschaft um CDU-Chef Jörg Schönbohm geht deutlich gestärkt aus dem Parteitag am Wochenende hervor. Bei den Wahlen zur neuen CDU-Führung setzten sich alle vier Regierungsmitglieder mit Spitzenergebnissen durch. Gegen die von Schönbohm unterstützte Bewerbung von Justizministerin Barbara Richstein um einen Stellvertreter-Posten hatten sich in Teilen der Union zuvor massive Widerstände formiert. Doch der alte und neue Parteichef - Schönbohm war, wie berichtet, am Freitag Abend mit 83,5 Prozent der Stimmen wieder gewählt worden - konnte sein gesamtes Personalkonzept durchsetzen. "Die Machtverhältnisse sind geklärt", hieß es in der CDU-Spitze.Die Union habe mit den Vorstandswahlen und der Verabschiedung ihres neuen Programms zu einer neuen Geschlossenheit gefunden. "Wir sind weitergekommen", sagte Schönbohm, auch Innenminister und Vize-Regierungschef in der großen Koalition. Noch bei seinem Amtsantritt 1999 hatte er eine demoralisierte, zerstrittene Partei vorgefunden. Bei der Besetzung von Spitzenpositionen sei es gelungen, der Leistung Vorrang vor der regionalen Herkunft einzuräumen. Zudem könne von einer "One-Man-Show Schönbohm" keine Rede mehr sein. Die CDU sei nach dreieinhalb Jahren Regierungsbeteiligung durch mehrere Gesichter wahrnehmbar, sagte der Parteichef. "Wir brauchen keinen Vergleich mit der SPD mehr zu scheuen. " Bei der Wahl der vier Stellvertreter hatten Richstein und Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns mit jeweils gut 70 Prozent das beste Ergebnis erzielt, gefolgt von der Bundestagsabgeordneten Andrea Voßhoff (69,8 Prozent) und dem Junge-Union-Chef Sven Petke (58,5 Prozent). Bei der Besetzung der 18 Beisitzer-Posten erreichte Kulturministerin Johanna Wanka mit fast 85 Prozent die größte Zustimmung. Das Spektrum der Kandidaten für seine Nachfolge, sagte der 65-jährige Schönbohm, habe sich erweitert.In der jungen Union sowie einigen Kreisverbänden vor allem aus Süd-Brandenburg herrschte dagegen deutliche Verärgerung. Mit Michael Stübgen, CDU-Landesgruppenchef im Bundestag, wurde der Vertreter Südbrandenburgs aus der engeren Führung katapultiert. Noch vor zwei Jahren hatte der 43-Jährige das beste Ergebnis in der Stellvertreter-Riege errungen und war Brandenburger Spitzenkandidat für die Bundestagswahlen. Auch das schlechte Ergebnis für den als engagierter Innenpolitiker anerkannten Schönbohm-Stellvertreter Petke wurde als "Abstrafung" kritisiert. Der 35-Jährige gilt als Kopf der jungen Wilden, die mehr Einfluss in der Führung gewinnen wollten.Selbst Landesschatzmeister Dierk Homeyer, parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagsfraktion, musste um sein Amt kämpfen. Nach Fürsprache Schönbohms setzte er sich mit 63 Prozent gegen die 35-jährige Unternehmerin Saskia Funck (36 Prozent) durch.
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