Der Ferienparkbetreiber Center Parcs kommt in die Lausitz. Voraussichtlich bis 2032 sollen auf der Landzunge zwischen dem Partwitzer und dem Sedlitzer See zwischen 500 und 700 Ferienhäuser entstehen. Die entsprechenden Pläne haben Vertreter von Center Parcs am Montag zunächst in der Versammlung des Zweckverbands Lausitzer Seenland vorgestellt. Danach fand eine Bürgerversammlung in Lieske statt. Der kleine Ort mit seinen rund 80 Einwohnern liegt direkt neben dem geplanten Feriendorf, das auf der Gemarkung des Ortes entstehen soll. 300 Millionen Euro will Center Parcs investieren.
Das Telefon von Lieskes Ortsvorsteher Marcus Lein (Wählergruppe Neu-Seeland) stand am Dienstagmorgen nicht mehr still, kaum dass die Großinvestition die Runde gemacht hatte. Er war bei der Einwohnerversammlung selbst nicht vor Ort, saß zeitgleich im Gemeinderat und hat sich mittlerweile von seiner Stellvertreterin informieren lassen. Er wisse erst seit kurzem von den Plänen des Ferienparkbetreibers. Der möchte das südöstliche Ufer des Sedlitzer Sees besiedeln, der erst im April zur Nutzung übergeben wurde. Über den Sommer hinweg tummelten sich die Badegäste am Südufer und an den Stegen machten schon viele Boote fest.
Nachdem die Unternehmensvertreter von Center Parcs ihre Pläne vorgestellt haben, habe „hier keiner hurra geschrien“, so Marcus Lein. Den Bürgern seien die Chancen einer solchen Großinvestition durchaus bewusst. Sie bedeuten Umsatz in der Region für die Händler, für die Gastronomen und auch neue Arbeitsplätze. „Allerdings besteht auch die Angst, dass das dörfliche Leben, so, wie es über die Jahre gewachsen ist und wie wir es lieben, verloren geht“, so der Ortsvorsteher der Gemeinde, die stark von der sorbischen Kultur geprägt ist.
Der Center Parc mit Erlebnisbad Aqua Mundo im Hochsauerland ist eine von sechs bestehenden Anlagen in Westdeutschland.
© IMAGO/Hans Blossey
Erster Center Parc im Osten Deutschlands
Insgesamt sei das Klima auf der Bürgerversammlung aber „sehr konstruktiv“ gewesen, so Lein. Es gibt ein Ortsentwicklungskonzept. Das habe man den Investoren gleich mitgegeben. „Damit sie wissen, wie sich die Einwohner von Lieske die Zukunft ihres Dorfes vorstellen“, so der Ortsvorsteher. Im Gegenzug haben die Vertreter von Centers Parcs angekündigt, im engen Austausch bleiben zu wollen. Versammlungen wie die am Montag seien bis zur Eröffnung noch mehrere geplant. Die reine Bauzeit wurde von Center Parcs übrigens mit rund zwei Jahren angegeben. In einem ersten Schritt stehen nun Machbarkeitsstudien, Raumverträglichkeits- und Umweltprüfungen an, die wohl bis 2028 dauern werden.
Center Parcs betreibt derzeit 28 Ferienparks in Europa, sechs davon allein in Deutschland. Sie liegen allesamt in Westdeutschland, verteilt von der Nordseeküste über das Hochsauerland bis ins Allgäu. Mit dem Ferienpark an der Lausitzer Seenplatte entstünde das erste Feriengebiet in Ostdeutschland, das bis nach Polen und Tschechien ausstrahlen könnte.
Das Konzept von Centers Parcs, Ferienhäuser für Familien mit Kindern anzubieten, das überzeugt die Einwohner von Lieske und auch ihren Ortsvorsteher. Denn auch Gastronomie und Freizeitmöglichkeiten für die Gäste ließen sich in Zukunft ganzjährig nutzen.
Eine wichtige Frage, die die Gemeinde aber unmöglich allein klären könne, sei die Verkehrsanbindung. Durch Lieske führt derzeit die Bundestraße 156. Sie sei an einigen Stellen so eng, dass zwei Lkws nur mit Mühe aneinander vorbeikämen, so Marcus Lein. Und deshalb stehe in dem Ortsentwicklungskonzept auch der Wunsch nach einer Ortsumgehungsstraße.
Die wird nun umso dringlicher, wenn Center Parcs komme, um wenigstens den überregionalen Verkehr an dem Dorf vorbeizuleiten, sagt Marcus Lein. Eine Botschaft, die in Richtung des Bundes und auch des Landes Brandenburg geht. Letzteres sei schon seit fünf Jahren mit Centers Parcs über die mögliche Ansiedlung im Austausch, erklärte Hendrik Fischer, Staatssekretär im Brandenburger Wirtschaftsministerium, bei der Veranstaltung am Montag. Center Parcs habe in diesen Gesprächen immer wieder betont, dass der Schutz der Umwelt Schwerpunkt sein soll.
Sachsen derzeit Wanderherz Europas
Ganzjahrestourismus zu schaffen, ist auch der Schwerpunkt des sächsischen Tourismus-Ministeriums. So öffnet am Dienstag beispielsweise der neue Stoneman Miriquidi Hike + Trailrun im Erzgebirge. Dabei können Wanderer eine Tour von 62 Kilometern Wanderweg oder 86 Kilometern Trailrun wandern oder laufen – je nach Kondition an ein bis drei Tagen am Stück. Die Trails für Mountainbiker und Rennfahrer sind schon seit Jahren erfolgreich etabliert. Das erweiterte Trail-Konzept für Wanderer wurde über die EU kofinanziert, so der Tourismusverband Erzgebirge.
Natascha Heinrich, Chefin eines Familienhotels am Fuße des Fichtelberges in Oberwiesenthal, ist froh über solche neuen Angebote. Mit 13 Zimmern und einem 10-Mann-Wanderlager empfängt sie seit Frühjahr 2025 vor allem sportlich aktive Gäste, darunter viele Wanderer. Und die kommen gerade diese Woche reichlich.
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Das Erzgebirge ist diese Woche Gastgeber des europäischen Wanderfestes Eurorando und des Deutschen Wandertags. Die rund 7000 Gäste aus 15 Ländern erwarten 50 Touren auf sächsischer und tschechischer Seite, die die Teilnehmer auf eigene Faust oder mit einem Führer erwandern können. Eurorando wird alle fünf Jahre ausgerichtet – nun erstmals grenzüberschreitend. Parallel dazu startet in Oberwiesenthal diesen Donnerstag der Deutsche Wandertag, zu dem viele weitere Wanderfans in das Erzgebirge strömen werden.
Millionen für Fahrradtourismus
Ein weiteres Großprojekt ist der „Bikepark Borderless Trails“ für Mountainbike-Enthusiasten zwischen der sächsischen und böhmischen Schweiz. Geplant sind insgesamt über 30 Kilometer Trailnetz Fahrradstrecken auf 15 Einzelstrecken in verschiedenen Schwierigkeitsgraden (blau/rot/schwarz) rund um den Gerstenberg. Im Sommer wurde bereits der tschechische Teil der Strecke mit Trails von bis zu drei Kilometer Länge und 150 Höhenmetern angelegt. Der Teil auf deutscher Seite soll im nächsten Frühjahr eröffnet werden.
Laut Sächsischem Staatsministeriums für Kultur und Tourismus belaufen sich die Gesamtkosten des sächsischen Projekts auf rund 3,6 Millionen Euro. Davon werden rund 2,8 Millionen Euro über das EU-Förderprogramm Interreg Sachsen–Tschechien 2021–2027 finanziert.
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