Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez macht für die Verbreitung von Falschmeldungen im Zusammenhang mit dem Massenandrang von Migranten auf die nordafrikanische Exklave Ceuta Kreise in Russland und Israel verantwortlich.
In einem Interview mit dem Radiosender Cadena SER sagte Sánchez am Montag, entsprechende Gerüchte und Desinformation seien über Onlinenetzwerke verbreitet worden, die „mit Russland und Israel in Verbindung stehen“ sowie mit einer „internationalen rechtsextremen Bewegung“. Sánchez zufolge hat der Europäische Auswärtige Dienst der spanischen Regierung entsprechende Informationen über die Zuordnung dieser Netzwerke zukommen lassen.
Ceuta und die zweite spanische Nordafrika-Exklave Melilla bilden die einzigen Landaußengrenzen der Europäischen Union auf dem afrikanischen Kontinent. Marokko betrachtet beide Städte seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1956 als von Spanien besetzte Gebiete.
Israel weist Vorwürfe zurück
Der israelische Außenminister Gideon Saar wies die Anschuldigungen umgehend zurück. Sánchez lüge „dreist“, indem er Israel beschuldige, irreführende Informationen zu den Vorgängen in Ceuta zu verbreiten, schrieb Saar auf der Plattform X. Damit könne er nicht von seinem „beschämenden Versagen“ bei der Führung Spaniens ablenken.
Sánchez selbst betonte, wenn sich Russland und Israel in diese Angelegenheit einmischten, gehe es ihnen nicht um Migration, sondern um Spaniens Haltung zum „Völkermord in Gaza“ sowie zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Am 30. und 31. Juli hatten nach Angaben des spanischen Innenministeriums rund 72.000 Menschen schwimmend oder über Grenzzäune aus Marokko Ceuta erreicht. Mindestens 96 Menschen kamen nach offiziellen Angaben ums Leben, marokkanische Nichtregierungsorganisationen sprechen von mindestens 141 Toten.
Sánchez zufolge sind mehr als 90 Prozent der Migranten inzwischen nach Marokko zurückgekehrt. In Ceuta hielten sich noch rund 5000 Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus auf, darunter 1200 unbegleitete Minderjährige.
Falschdarstellung nach Gerichtsurteil
Als konkreten Auslöser der Krise nannte Sánchez die verzerrte Darstellung eines am 8. Juli bekannt gewordenen Urteils des Obersten Gerichtshofs in Madrid. Über Onlinedienste sei fälschlich verbreitet worden, schwimmend ankommende Migranten dürften nicht nach Marokko zurückgeschickt werden.
Verbreitet worden seien diese Falschmeldungen auch durch „kriminelle Organisationen, die mit Menschen handeln“. Eine Beteiligung marokkanischer Behörden schloss Sánchez aus: Kein Geheimdienst habe Hinweise geliefert, dass Rabat „auf die eine oder andere Weise“ beteiligt gewesen sei.
Italien verlängerte am Montag die nach dem Massenandrang eingeführten Grenzkontrollen zu Spanien um 15 Tage. Spanien zog mit einer entsprechenden Verlängerung nach.
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