Marokkanische Sicherheitskräfte haben am Samstag nach eigenen Angaben 294 Menschen daran gehindert, unerlaubt die Grenze zur spanischen Exklave Ceuta zu überqueren. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen gegenüber dem marokkanischen Nachrichtenportal Hespress handelte es sich bei den Aufgegriffenen um 248 Menschen aus Ländern südlich der Sahara sowie 46 marokkanische Staatsangehörige.
Ein für den 15. August über soziale Netzwerke angekündigter koordinierter Massenübertritt blieb aus. Am Vormittag waren zunächst 111 Menschen bei Einsätzen aufgegriffen worden, im Tagesverlauf stieg die Zahl an. Nach Angaben von Hespress hatten die Behörden bei präventiven Einsätzen in den vergangenen Tagen zudem mindestens 61 weitere Personen festgenommen, denen vorgeworfen wird, in sozialen Medien zur irregulären Migration aufgerufen zu haben.
Erst vor wenigen Tagen hatte es an der Grenze zu Ceuta eine schwere Krise gegeben. Nach spanischen Angaben gelangten am 30. Juli rund 72.000 Migranten kurzzeitig in die Exklave. Mindestens 96 Menschen kamen dabei ums Leben.
Marokkanische Sicherheitskreise kündigten an, künftig dauerhaft eine Überwachung sozialer Netzwerke durchzuführen, um Aufrufe zu Massenübertritten zu unterbinden.
Tränengas und Hubschrauber im Einsatz
Der spanische öffentlich-rechtliche Sender RTVE berichtete, marokkanische Einsatzkräfte seien in einer bergigen Zone rund drei Kilometer von der Grenze zu Ceuta entfernt, am Rand der Stadt Fnideq, gegen Dutzende überwiegend afrikanische Migranten vorgegangen. Zur Auflösung der Gruppen seien Tränengas eingesetzt und Hubschrauber zur Unterstützung angefordert worden.
Marokkanische Sicherheitskräfte (unten links) patrouillieren an der spanisch-marokkanischen Grenze, aufgenommen von der spanischen Enklave Ceuta aus.
© Antonio Sempere/AP
Nach Angaben von Hespress wurden bei dem Einsatz auch Drohnen zur Luftüberwachung, mobile Eingreiftrupps und Wasserwerfer eingesetzt. Kontrollstellen auf den Zufahrtsstraßen nach Fnideq, insbesondere aus Richtung Tetuán und Tanger, seien verstärkt worden. Die Marine sicherte den Küstenbereich mit Schnellbooten ab.
Als Teil Spaniens gehören die Exklaven Ceuta und Melilla zur Europäischen Union. Ihre Landgrenzen zu Marokko bilden die einzigen Landaußengrenzen der EU auf dem afrikanischen Kontinent. Innerhalb des Schengen-Systems gelten für die Exklaven Sonderregeln, weshalb an den Übergängen zum spanischen Festland Personenkontrollen stattfinden.
Journalisten mussten Grenzstadt verlassen
RTVE zufolge wurden Reporter des Senders sowie der spanischen Nachrichtenagentur EFE von den marokkanischen Behörden aufgefordert, Fnideq zu verlassen und dort keine Aufnahmen zu machen.
Die RTVE-Korrespondentin Arantxa Marculeta sagte im Fernsehen, den Journalisten sei mit dem Entzug ihrer Presseakkreditierung und der Beschlagnahme ihres Materials gedroht worden, sollten sie den Anweisungen nicht folgen. Auch die Hotels der Journalisten hätten die Anweisung erhalten, die Gäste umgehend zum Verlassen der Häuser aufzufordern.
Auf spanischer Seite waren nach Angaben von RTVE mehr als 1500 Polizisten und Beamte der Guardia Civil in der Exklave Ceuta im Einsatz. Marokkanische Behörden erklärten, die Lage an der Grenze sei unter Kontrolle, die Einsätze würden fortgesetzt.
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