Das Licht im Museum von Chatyn ist fast vollständig heruntergedimmt. Schon beim Betreten des vierten Raums schlägt einem eine bedrückende Enge entgegen. Das alles beherrschende Element ist eine raumhohe, stilisierte Wand der hölzernen Kolchosen-Scheune. Durch tiefe, grobe Ritzen zwischen den scheinbar verkohlten Holzplanken bricht ein düsteres, loderndes Rot – die visuelle Übersetzung einer Katastrophe. Die Konstruktion wirkt nicht wie ein bloßes Exponat; das beklemmende Gefühl drängt sich auf, die Scheune stünde in genau diesem Augenblick in Flammen. Ein glühendes Mahnmal aus Licht, Schatten und rauer Struktur macht die Hitze und die absolute Ausweglosigkeit jener Stunden physisch spürbar. Wer hier verweilt, glaubt nach wenigen Minuten tatsächlich, die Glut auf der Haut zu spüren, während der Raum den Atem raubt.
Erinnerung
Chatyn: Das verbrannte Dorf und der blinde Fleck deutscher Erinnerung
Am 22. Juni jährt sich der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. In Chatyn, einem von den Nazis ausgelöschten Dorf in Belarus, wird sichtbar, was der Vernichtungskrieg im Osten bedeutete. Eine Reportage.
20 Min
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Kurz vor dem Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion führt Chatyn vor Augen, welchen Vernichtungskrieg die Nazis in Belarus führten.
© Aleksandar Pavlovic/imago
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