POTSDAM. Unmittelbar vor Beginn des Prozesses gegen den ehemaligen Agrarminister Edwin Zimmermann hat einer seiner drei Mitangeklagten Selbstmord begangen. Ein Spaziergänger entdeckte am frühen Mittwochmorgen in einem Wald bei Dahme (Teltow-Fläming) die Leiche des ehemaligen Vorsitzenden des Fördervereins Dahme/Mark. Wolfgang Siegler hat sich vermutlich mit seiner eigenen Waffe erschossen - sie wurde neben dem Toten gefunden. Die Staatsanwaltschaft konnte gestern noch keine Angaben machen, warum sich der 54-jährige Unternehmer aus Dahme umbrachte. "Es gibt zwar einen Abschiedsbrief, aber in dem finden sich keine Angaben zum Motiv", sagte Sigrid Komor, die Sprecherin der Behörde.Vorwurf: 489 000 Mark veruntreut Siegler war Vorsitzender des Fördervereins Dahme/Mark, der Träger verschiedener ABM-Projekte war - darunter auch der Schaubäckerei auf dem Hof des Bruders von Edwin Zimmermann in Schöna-Kolpien (Teltow-Fläming). Das Land, vor allem das Agrarministerium, bezuschusste das Projekt mit rund 489 000 Mark.Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Minister, dem damaligen Referatsleiter im Agrarministerium sowie dem Vorsitzenden des Fördervereins und dessen Stellvertreter Betrug und Untreue in einem besonders schweren Fall vor. Die Angeklagten sollen gemeinschaftlich Schreiben manipuliert haben, mit denen Fördermittel für die Schaubäckerei beantragt wurden. Beispielsweise sollen Formulare um mehrere Monate zurückdatiert worden sein, damit eine Bezuschussung formal möglich wird.Bis zu zehn Jahre Haft möglich Im Falle einer Verurteilung müsste beispielsweise Edwin Zimmermann, dem zusätzlich Amtsmissbrauch angelastet wird, mit einer Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren rechnen, sagte Staatsanwalt Ralf Roggenbuck.Bevor der Prozess am Mittwochvormittag begann, hatten die Prozessbeteiligten eine knappe Stunde darauf gewartet, dass der ehemalige Fördervereins-Vorsitzende im Saal des Potsdamer Landgerichts erscheint. Der Vorsitzende Richter ließ daraufhin nach dem Verschollenen forschen. Die Nachricht vom Suizid nahmen die Anwesenden mit großer Bestürzung auf. Der ehemalige Agrarminister Zimmermann, der den inzwischen aufgelösten Förderverein mitgegründet hatte, schüttelte fassungslos den Kopf und kämpfte mit Tränen. Sichtlich schockiert war auch Hans-Werner Sch. , der ehemalige stellvertretende Vereinsvorsitzende. Das Gericht unterbrach daraufhin die Sitzung für einige Minuten.Zimmermann schockiert "Ich kann nicht glauben, dass der Selbstmord mit dem Prozess zusammenhängt", sagte Zimmermann. Die Angeklagten wären sich einig gewesen, dass ein Prozess die beste Möglichkeit wäre, um die Anschuldigungen aus der Welt zu schaffen. "Wir wollten ein Urteil", sagte Zimmermann, der fest an einen Freispruch glaubt. "Deswegen bin ich ja über den Suizid so erschüttert. " Der 53-jährige SPD-Politiker, dem die "Backofen-Affäre" vor vier Jahren das Ministeramt kostete und der dennoch 1999 mit einem sehr guten Stimmergebnis in den Landtag gewählt wurde, hält sich für unschuldig.Sein Verteidiger Dieter Graefe kritisierte die Anklageschrift als lückenhaft. "Es fehlt an entscheidenden Punkten, nämlich wer wann welche strafrechtlich relevanten Taten begangen haben soll", sagte der Potsdamer Anwalt. "Für die Angeklagten ist es nicht zumutbar, dass sie diese Lücken durch ihre Aussagen vor Gericht ausfüllen sollen. " Der Prozess, für den bis Mitte Januar 20 Verhandlungstage angesetzt sind, wird am Freitag fortgesetzt.Förderverein vor acht Jahren gegründet // 1993 wurde der Förderverein Dahme/Mark vom damaligen Agrarminister Zimmermann gegründet.Bis 1995 stand Zimmermann dem Verein vor. Dann wurde Wolfgang Siegler in dieses Amt gewählt. Zimmermann war fortan "Ehrenmitglied".1997 war der Verein Träger unter anderem der staatlich bezuschussten "Schaubäckerei" auf dem Hof von Zimmermanns Bruder.Im November 1997 musste Zimmermann wegen der "Backofen-Affäre" zurücktreten.Von 1998 an fordern Behörden von dem Verein Subventionen zurück.Mai 1999 beschloss der Verein seine Auflösung.
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