Dieser Einsatz der Berliner Feuerwehr wird die Immobiliengesellschaft des Bundes teuer zu stehen kommen: Mehr als 100 Beamte waren am Sonnabendmorgen zu einem Grundstück der Immobiliengesellschaft an der Chausseestraße in Mitte gefahren, um zwei Chemikalienfässer zu bergen. Für diesen Einsatz soll die Immobiliengesellschaft jetzt zahlen. Sie muss mit einer Rechnung über mehrere tausend Euro rechnen. Für die Entsorgung von Chemikalien auf einem Privatgrundstück sei nämlich der Eigentümer zuständig, hieß es gestern in der Behörde.Die Feuerwehrmänner, die auf die Entsorgung von chemischen Substanzen spezialisiert sind, waren mit mehr als 20 Fahrzeugen ausgerückt. Sie benötigten über zwei Stunden, um die beiden Behälter zu sichern. In den blauen Tonnen befanden sich jeweils 100 Liter einer Lauge, die zwar ungefährlich ist, aber deren Zusammensetzung noch nicht bekannt ist.Die Fässer waren bei Bauarbeiten auf dem Grundstück entdeckt worden. Hier befand sich zu DDR-Zeiten eine Fabrik, in der Kosmetikartikel hergestellt wurden. Die Behälter lagen in einem Keller, der 1960 zugemauert worden war. Weil eine Entsorgungsfirma den Transport der stark angerosteten Fässer ablehnte, wurde die Feuerwehr alarmiert. Die Beamten verstauten die Behälter in so genannte Überfässer, um das Auslaufen der Chemikalie zu verhindern. Experten der Polizei fanden bei einem Schnelltest heraus, dass die Chemikalie weder radioaktiv noch giftig ist.Die Umweltkripo hat keine Veranlassung einzuschreiten. "Auch wenn eine Straftat vorliegen würde, wäre sie schon verjährt", sagte der Leiter der Abteilung Umweltkriminalität im Landeskriminalamt, Andreas Geigulat. Die 65 Beamten in seiner Abteilung schreiten ein, wenn von illegal entsorgtem Abfall eine Gefährdung ausgeht. "Der normale Hausmüll interessiert uns nicht", sagte Geigulat. "Sollten sich darin allerdings Batterien oder lösungsmittelhaltige Farben finden, wäre das ein Fall für uns."Über 3 100 Delikte aus dem Bereich der Umweltkriminalität wurden im vergangenen Jahr gezählt. Das war ein Rückgang von 14 Prozent gegenüber 2003. "Die Dunkelziffer ist jedoch sehr hoch", sagte Geigulat. Seine Abteilung sei im wesentlichen auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. "Die Umweltbehörde kontrolliert kaum, weil auf Grund des Personalabbaus immer weniger Mitarbeiter im Außendienst tätig sind", sagte Geigulat.Bei fast der Hälfte der Delikte handelt es sich um illegale Müllentsorgung. Geigulat: "Das sind meistens Privatleute, die ihren Abfall liegen lassen. Oder Eigenheimbesitzer, die nicht an die Kanalisation angeschlossen sind und Fäkalien illegal ableiten." Dafür sieht man kaum noch Autowracks am Straßenrand, was mit China zusammenhänge. Dort sei die Nachfrage nach Stahl gestiegen, "so dass man für die Entsorgung des Altautos inzwischen fast schon Geld bekommt, während man früher dafür viel zahlen musste." Außerdem ist die Umweltkripo für Lebensmitteldelikte zuständig. "Im Sommer haben wir häufig mit Salmonellenvergiftungen zu tun", sagte Geigulat.
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