Handelsstreit

China drängt Deutschland zum „Pragmatismus“: Jetzt soll Berlin Brüssel bremsen

Peking fordert Berlin auf, in der EU gegen Protektionismus einzuwirken. Schon im Oktober berät Brüssel über neue Maßnahmen gegen China. Droht ein Handelskrieg?

3 Min
Chinas Außenminister Wang Yi (l.) und Johann Wadephul: Peking will, dass Deutschland im Handelsstreit mäßigend auf die EU einwirkt.

Chinas Außenminister Wang Yi (l.) und Johann Wadephul: Peking will, dass Deutschland im Handelsstreit mäßigend auf die EU einwirkt.

© Achille Abboud/imago

China versucht, Deutschland im wachsenden Handelskonflikt mit der EU auf seine Seite zu ziehen. Außenminister Wang Yi hat die Bundesregierung aufgefordert, innerhalb der EU auf Freihandel und gegen Protektionismus hinzuwirken.

„China und die EU sind umfassende strategische Partner und sollten keinen Handelskrieg führen“, erklärte Wang nach einem Telefonat mit Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU). Das geht aus einer Mitteilung des chinesischen Außenministeriums hervor.

Wang hoffe, dass Deutschland eine „rationale und pragmatische Haltung“ bewahre und „innerhalb der EU eine positive Rolle“ spiele. Berlin solle dazu beitragen, dass die EU am Freihandel festhalte, Protektionismus ablehne und Differenzen mit Peking durch Dialog und Konsultationen löse. Eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China liege im Interesse beider Seiten, erklärte Wang.

EU bereitet schärferen Kurs gegen China vor

Brüssel und Peking haben sich eine Frist bis Oktober gesetzt, um Fortschritte bei ihren Handelsstreitigkeiten zu erzielen. Mitte Oktober wollen die EU-Staats- und Regierungschefs laut Bloomberg über das Handelsdefizit mit China und mögliche neue Instrumente gegen chinesische Handelspraktiken beraten.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte zuletzt betont, das Handelsdefizit mit China habe einen „kritischen Punkt“ erreicht. Die EU werde alle verfügbaren Instrumente nutzen, um die Handelsbeziehungen wieder ins Gleichgewicht zu bringen, kündigte sie in ihrer Rede zur Lage der Union an.

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China und Deutschland müssten dagegen angesichts von „Unilateralismus und Deglobalisierung“ ihre strategische Kommunikation und wirtschaftliche Zusammenarbeit vertiefen, erklärte Wang.

Wadephul pocht auf „faire Regeln“ mit China

Berlin betonte nach dem Gespräch ebenfalls das gemeinsame Interesse an stabilen Wirtschaftsbeziehungen, setzte jedoch einen anderen Akzent. „Eine stabile Weltwirtschaft liegt im Interesse Chinas, Deutschlands und Europas“, teilte das Auswärtige Amt auf X mit. Die Handelsbeziehungen müssten dabei „auf fairen Regeln und einem echten Level Playing Field basieren“.

Auffällig ist der unterschiedliche Akzent beider Mitteilungen. Während das Auswärtige Amt „faire Regeln“ und ein „echtes Level Playing Field“ hervorhebt, schreibt die chinesische Seite Wadephul die Bereitschaft zu, Deutschland könne bei der Beilegung der Differenzen zwischen China und der EU eine „positive Rolle“ spielen.

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