Südchinesisches Meer

China lässt US-Kriegsschiff verfolgen – Streit um umkämpftes Riff

Peking wirft einem US-Kriegsschiff vor, in beanspruchte Gewässer eingedrungen zu sein. Die Philippinen widersprechen. Auch Taiwan meldet einen Zwischenfall.

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Die USS Charleston bei einem Einsatz. China hat das US-Kriegsschiff nach eigenen Angaben nahe dem umstrittenen Sabina-Riff überwacht.

Die USS Charleston bei einem Einsatz. China hat das US-Kriegsschiff nach eigenen Angaben nahe dem umstrittenen Sabina-Riff überwacht.

© Ryan Breeden/U.S. Navy/Zuma/imago

China hat Marinekräfte zur Überwachung eines US-Kriegsschiffs nahe dem umstrittenen Sabina-Riff im Südchinesischen Meer entsandt. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag unter Berufung auf das südliche Militärkommando berichtete, fuhr die USS Charleston am frühen Dienstagmorgen ohne Zustimmung Pekings in Gewässer nahe dem Riff. Das chinesische Militär bezeichnete die Fahrt als illegal. Die Philippinen wiesen diese Darstellung zurück.

„Die US-Seite sollte solche Aktivitäten unverzüglich einstellen“, erklärte das chinesische Kommando. Der Einsatz verletze Chinas Souveränitätsrechte, gefährde die Sicherheit auf See und schade Frieden und Stabilität in der Region. Die chinesischen Kräfte hätten das Schiff verfolgt und überwacht. Eine Vertreibung oder einen Zusammenstoß meldete das Militär nicht.

Philippinen widersprechen Pekings Gebietsanspruch

Ein Sprecher der philippinischen Streitkräfte erklärte laut Reuters, das US-Schiff sei nicht in chinesisches Territorium eingedrungen. Kein Staat dürfe für eine rechtmäßige Fahrt durch internationale Gewässer eine vorherige Genehmigung verlangen.

Die US-Marine äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall. Washington führt im Südchinesischen Meer immer wieder Einsätze durch, mit denen es überzogene maritime Ansprüche zurückweisen und die freie Schifffahrt unterstreichen will. Ob die Fahrt der Charleston eine solche Operation war, blieb zunächst offen.

Bei dem Schiff handelt es sich nach Angaben der South China Morning Post um ein Küstenkampfschiff der Independence-Klasse. Es wird unter einem in Singapur stationierten Verband der US-Marine eingesetzt.

Riff ist Brennpunkt zwischen China und den Philippinen

Das Sabina-Riff gehört zum Gebiet der Spratly-Inseln, um das mehrere Staaten streiten. China beansprucht nahezu das gesamte Südchinesische Meer. Diese Ansprüche überschneiden sich mit denen der Philippinen, Vietnams, Malaysias, Bruneis und Taiwans.

Besonders angespannt ist die Lage zwischen Peking und Manila. Im September hatte die philippinische Küstenwache einem chinesischen Schiff vorgeworfen, nahe dem Sabina-Riff ein philippinisches Boot bei einer Treibstoffversorgungsfahrt gerammt und beschädigt zu haben. China machte die philippinische Seite für die Kollision verantwortlich.

Die Vereinigten Staaten und die Philippinen sind durch einen gegenseitigen Verteidigungsvertrag verbunden. Zwischenfälle in dem umkämpften Seegebiet bergen deshalb das Risiko, auch Washington stärker in den Konflikt hineinzuziehen.

Taiwan meldet Konfrontation bei Pratas-Inseln

Unabhängig von der mutmaßlichen Fahrt der Charleston kam es weiter nördlich zu einer Konfrontation zwischen chinesischen und taiwanischen Küstenwachschiffen. Nach Angaben von Taiwans Küstenwache näherte sich das chinesische Schiff 3102 am frühen Dienstagmorgen den von Taiwan kontrollierten Pratas-Inseln und fuhr in von Taiwan als beschränkt zugänglich ausgewiesene Gewässer.

Das chinesische Schiff habe sein automatisches Identifikationssystem AIS ausgeschaltet gehabt. Taiwan entsandte die Taichung, die das Schiff überwachen und zum Verlassen des Gebiets auffordern sollte.

Dabei lieferten sich beide Seiten einen Wortwechsel über Funk. Das chinesische Schiff erklärte nach taiwanischen Angaben, die „sogenannte Republik China“ existiere nicht. Die Taichung antwortete, die Republik China, Taiwan, sei ein souveräner und unabhängiger Staat.

Die Pratas-Inseln liegen zwischen Südtaiwan und Hongkong. Für ihre Sicherheit ist Taiwans Küstenwache zuständig. Peking betrachtet das demokratisch regierte Taiwan als Teil seines Staatsgebiets und hat zuletzt seine Küstenwachaktivitäten rund um die Insel verstärkt.

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