Ukraine-Krieg

Neue Dokumente: China trainierte russisches Militär bis in die Generalität

Neue Dokumente sollen belegen, dass China russische Soldaten für den Ukraine-Krieg mit Billigung der höchsten Militärführung ausbildete. Auch ABC-Abwehr gehörte zum Ausbildungsprogramm.

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Russlands Verteidigungsminister Andrej Beloussow (l.) und sein chinesischer Amtskollege Dong Jun beim SCO-Treffen in Qingdao im Juni 2025.

Russlands Verteidigungsminister Andrej Beloussow (l.) und sein chinesischer Amtskollege Dong Jun beim SCO-Treffen in Qingdao im Juni 2025.

© Vadim Savitsky/imago

Die militärische Zusammenarbeit zwischen China und Russland reicht offenbar deutlich weiter als bislang bekannt. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters wurde die Ausbildung russischer Soldaten in China im vergangenen Jahr persönlich vom russischen Verteidigungsminister Andrej Beloussow genehmigt. Interne Militärdokumente sollen zudem belegen, dass mindestens vier russische und chinesische Generäle direkt an dem Programm beteiligt waren.

Die neuen Informationen stammen nach Angaben von Reuters aus internen russischen Militärunterlagen sowie von zwei europäischen Regierungsvertretern, die mit den Vorgängen vertraut sind.

Ausbildung für den Ukraine-Krieg

Bereits im vergangenen Monat hatte Reuters unter Berufung auf europäische Geheimdienste berichtet, dass China im November 2025 rund 200 russische Soldaten auf Militärgeländen der Volksbefreiungsarmee ausgebildet habe. Einige von ihnen seien später im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt worden.

Peking hatte diese Berichte zurückgewiesen und erklärt, die Vorwürfe seien unbegründet. China bezeichnet sich weiterhin als neutral im Ukraine-Krieg und tritt international als Vermittler auf.

Beloussow genehmigte Programm persönlich

Nach den nun veröffentlichten Dokumenten wurde das Ausbildungsprogramm jedoch ausdrücklich auf Grundlage einer internen Anordnung des russischen Verteidigungsministers Beloussow durchgeführt. Demnach reiste im August 2025 eine Delegation der russischen Streitkräfte nach China, um an mehreren Lehrgängen auf Einrichtungen der chinesischen Volksbefreiungsarmee teilzunehmen.

Reuters zufolge nahmen an den Programmen hochrangige Militärs beider Länder teil. Genannt werden unter anderem der stellvertretende Oberbefehlshaber der russischen Landstreitkräfte, Rustam Muradow, der russische General Witali Gerassimow sowie der chinesische General Li Jinsun, Leiter der Militärakademie für atomare, biologische und chemische Verteidigung.

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Ausbildung im sensiblen ABC-Bereich

Besonders brisant ist nach Einschätzung europäischer Regierungsvertreter der Inhalt eines dreiwöchigen Lehrgangs in Peking. Nach den Reuters vorliegenden Unterlagen wurden russische Soldaten dort unter anderem in den Bereichen Strahlenschutz, chemische Aufklärung, ABC-Abwehr sowie beim Schutz militärischer Belüftungssysteme vor Kontamination geschult. Fotos sollen russische Soldaten gemeinsam mit chinesischen Ausbildern zeigen, unter anderem an einem Modell eines Kernreaktors.

Ein europäischer Regierungsvertreter bezeichnete gerade diesen Ausbildungsbereich als besonders sensibel, da entsprechende Fähigkeiten für moderne Streitkräfte strategische Bedeutung hätten.

EU prüft Reaktion

Die neuen Enthüllungen erhöhen auch den Druck auf die Europäische Union. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hatte bereits Mitte Juni erklärt, Brüssel habe die Ausbildung russischer Soldaten in China über eigene Kanäle bestätigt und prüfe nun mögliche Konsequenzen. Innerhalb der EU werde inzwischen diskutiert, China nicht länger nur als wichtigen Handelspartner zu betrachten, sondern stärker als einen entscheidenden Unterstützer von Russlands Krieg gegen die Ukraine, berichtete Reuters unter Berufung auf europäische Regierungsvertreter.

Bereits heute hat die EU Sanktionen gegen mehrere chinesische Unternehmen verhängt, denen Unterstützung der russischen Kriegswirtschaft vorgeworfen wird.

China weist Vorwürfe zurück

Das chinesische Außenministerium erklärte auf Reuters-Anfrage, die Vorwürfe seien „völlig unbegründet“. An seiner Haltung zum Krieg in der Ukraine habe sich nichts geändert. Auch aus Moskau kam Widerspruch. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im russischen Parlament, Andrej Kartapolow, bezeichnete den Reuters-Bericht im russischen Fernsehsender RTVI als „völligen Unsinn“. Russlands Armee habe von China nichts zu lernen.

Nach Angaben von Reuters bewerten interne russische Berichte die chinesischen Ausbilder zwar als fachlich hervorragend und loben die moderne Ausstattung der Ausbildungseinrichtungen. Gleichzeitig werde darin jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Chinas Streitkräfte im Gegensatz zu Russland über kaum aktuelle Kampferfahrung verfügten.

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