China

Dritter Anlauf, letzte Chance: Was Deutschland über China wissen muss

Wadephul verprellt Peking, Merz lässt sich vorführen und ob Steinmeier wie geplant nach China reist, ist angesichts der Kanzlerkrise offen. Hier lesen Sie, was deutsche Politiker über China wissen müssen.

4 Min
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping

© Pang Xinglei/imago

Es wäre nun die dritte Chance für Deutschland, vielleicht ist es die letzte im Umgang mit der zweigrößten Volkswirtschaft der Erde. Erst reiste Außenminister Wadephul nach Japan und griff China in einer Schärfe an, die man sich in Peking merkt. Ein diplomatischer Fehltritt, der dem Außenamtschef in Berlin auf absehbare Zeit die Türen in Peking verschlossen haben dürfte.

Dann war der Kanzler an der Reihe. China lud Friedrich Merz zu den interessantesten Adressen des Landes, zu den führenden KI-Firmen, in Werke und Labore, die zeigen sollten, wie weit die Volksrepublik die Europäer technologisch längst abgehängt hat. Merz machte Zusagen – etwa, einen Handelskrieg vermeiden zu wollen –, die er zu Hause, in Brüssel und in der eigenen Regierung, so nicht einzuhalten gedenkt. Eigentlich sollte nun in wenigen Wochen Bundespräsident Steinmeier ins Reich der Mitte reisen. Ob es dazu kommt, hängt auch davon ab, wie sich die Kanzlerkrise in Berlin in den kommenden Tagen entwickelt.

Während man sich in Berlin gerne an Belanglosem abarbeitet, verhandeln die beiden größten Volkswirtschaften der Welt längst direkt miteinander. Erst reiste Donald Trump im Mai nach Peking, nun folgt Xis Gegenbesuch in Washington. Verhandelt wird über Zölle, geopolitische Krisen, Künstliche Intelligenz. Europa läuft Gefahr, zum Spielball zu werden, während sich Washington und Peking auf einen neuen Modus Vivendi einigen.

Was weiß Deutschland eigentlich über China?

Dabei wird kaum ein anderes Land in Politik und Medien derart widersprüchlich behandelt wie China. Mal Systemrivale, mal unverzichtbarer Handelspartner, mal Sündenbock für Kriege, die Tausende Kilometer von chinesischen Grenzen entfernt toben, mal Blaupause für eine technologische Zukunft, der man sich in Wolfsburg oder München längst nicht mehr entziehen kann. Diese Gleichzeitigkeit widersprüchlicher Rollen ist Ausdruck einer Unsicherheit darüber, wie Deutschland zu China stehen soll.

Es bleiben Fragen, an denen sich Deutschlands ganze China-Verwirrung zeigt. Warum kritisiert ein Außenminister ein Land für einen Krieg, der 6000 Kilometer von seinen Grenzen entfernt geführt wird? Warum lässt sich ein Kanzler die eigene technologische Rückständigkeit in chinesischen KI-Laboren vorführen und verspricht trotzdem, härter gegen genau dieses Land vorzugehen?

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Was weiß Deutschland eigentlich über das Land, mit dem es wirtschaftlich enger verflochten ist als mit fast jedem anderen? Zwischen Konfrontationsrhetorik aus dem Auswärtigen Amt, ökonomischer Abhängigkeit deutscher Vorzeigeindustrien und einem kulturellen Verständnis, das oft nicht über Klischees hinauskommt, klafft eine Lücke. Und diese Lücke wird größer.

Genau hier setzt unsere Serie „China verstehen“ an. Unabhängig davon, ob und wann Steinmeier tatsächlich nach Peking fliegt, wollen wir in den kommenden Tagen und Wochen zeigen, warum ein Handelskrieg mit China kaum zu gewinnen wäre und warum es im deutschen wie im europäischen Interesse liegt, genau diesen Handelskrieg zu verhindern.

Wir zeigen, was China mit dem Krieg in der Ukraine zu tun haben soll, warum deutsche Autobauer wie VW längst auf chinesisches Know-how angewiesen sind, welche unterschiedlichen zivilisatorischen Wege zu ganz ähnlichen menschlichen Zielen führen können und was ein Kanzler, Bundespräsident oder Außenminister heute über China wissen sollten. Am Ende, sollte es zur Reise kommen, folgt ein kurzes Briefing darüber, was aus unserer Sicht auf dem Tisch liegen sollte, wenn politische Akteure aus Deutschland in den Flieger nach Peking steigen.

Dieser Text ist Teil unserer Serie „China verstehen“.

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