Pazifik

Australien nennt Chinas Raketentest destabilisierend – Peking spricht von Routineübung

Der Test einer nuklearfähigen Rakete fällt mit einem neuen Verteidigungsabkommen zwischen Australien und Fidschi zusammen. Auch Neuseeland und Japan kritisieren China.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Die U-Boot-gestützte ballistische Rakete JuLang-3 (JL-3) bei einer Militärparade in Peking

Die U-Boot-gestützte ballistische Rakete JuLang-3 (JL-3) bei einer Militärparade in Peking

© VCG/imago

Australiens Außenministerin Penny Wong hat den Raketentest eines chinesischen Atom-U-Boots im Pazifik als destabilisierend bezeichnet. Der Test sei nicht mit der von den pazifischen Staaten formulierten Haltung vereinbar, wonach der Pazifik ein „Ocean of Peace" (Ozean des Friedens) bleiben solle, sagte Wong am Dienstag im Interview des australischen Senders ABC AM. Er erhöhe das Risiko von Fehlkalkulationen.

Nach Angaben der chinesischen Staatsagentur Xinhua feuerte die Marine der Volksbefreiungsarmee am Montag von einem Atom-U-Boot eine strategische Rakete mit Übungsgefechtskopf in Richtung Hochsee im Pazifik. Sie sei präzise im vorgesehenen Zielgebiet niedergegangen. Es handle sich um eine Routineübung im Rahmen des jährlichen Trainings. Betroffene Länder seien vorab informiert worden.

Peking spricht von Routineübung

Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Mao Ning, sagte, der Start sei sicher und professionell durchgeführt worden und richte sich nicht gegen ein bestimmtes Land. „Wir hoffen, dass die betreffenden Länder die Angelegenheit nicht überinterpretieren", sagte sie laut der staatsnahen chinesischen Zeitung Global Times.

Das US-Außenministerium teilte laut Reuters mit, es habe den Start einer unbewaffneten Interkontinentalrakete verfolgt, die im südlichen Pazifik niedergegangen sei, und rief China zu Gesprächen über Rüstungskontrolle auf. Nach Angaben der Global Times, die einen Militärexperten zitiert, dürfte es sich um die U-Boot-gestützte Rakete JL-3 gehandelt haben.

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Kritik aus dem Pazifikraum

Der australische Premierminister Anthony Albanese nannte den Test bei einem Auftritt in Honiara, der Hauptstadt der Salomonen, destabilisierend und provokativ. Der Ministerpräsident der Salomonen, Matthew Wale, sprach nach Angaben des Senders ABC von einem Vorgang, der „nicht das Handeln eines Freundes" sei. Nach ABC-Angaben überflog die Rakete mehrere pazifische Inselstaaten und ging nahe der ausschließlichen Wirtschaftszone Tuvalus nieder.

Neuseelands Außenminister Winston Peters bezeichnete den Test laut Reuters als unerwünschte und besorgniserregende Entwicklung. Kein pazifisches Land habe ein Interesse daran, dass China den Südpazifik als Testgebiet nutze. Japan äußerte laut Reuters ernste Besorgnis über die zunehmende militärische Aktivität Chinas.

Der Test fiel zeitlich mit der Unterzeichnung eines gegenseitigen Verteidigungsabkommens zwischen Australien und Fidschi zusammen, der Ocean of Peace Alliance. Wong sagte im ABC-Interview, das Bündnis stehe pazifischen Staaten mit eigenen Streitkräften offen und solle gemeinsam Stabilität in der Region sichern.

Australien rüstet kräftig auf

Australien hatte bereits im April 2026 seine Nationale Verteidigungsstrategie vorgestellt und angekündigt, die Militärausgaben bis 2033 auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzuheben.

Schwerpunkte des Investitionsprogramms sind nuklear angetriebene U-Boote im Rahmen des AUKUS-Abkommens mit den USA und Großbritannien, Langstreckenwaffen, integrierte Luft- und Raketenabwehr sowie unbemannte Systeme wie die Drohne Ghost Bat und das Unterwasserdrohnenprojekt Ghost Shark.

Verteidigungsminister Richard Marles hatte die Aufrüstung laut der Nachrichtenagentur AP mit den „komplexesten und bedrohlichsten strategischen Umständen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs" begründet.

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