Gesellschaft

Chinas Jugend „liegt flach“: Ministerium gibt ausländischen Kräften die Schuld

Chinas Ministerium für Staatssicherheit wirft ausländischen Organisationen vor, junge Chinesen zum Müßiggang anstiften zu wollen.

3 Min
In China trendet seit einigen Jahren die sogenannte „Lying flat“-Mentalität. Nun gibt der chinesische Geheimdienst dem Ausland die Schuld.

In China trendet seit einigen Jahren die sogenannte „Lying flat“-Mentalität. Nun gibt der chinesische Geheimdienst dem Ausland die Schuld.

© YAY Images/imago

Das chinesische Ministerium für Staatssicherheit (MSS) hat „feindliche ausländische Kräfte" beschuldigt, die Verbreitung der sogenannten „Lying flat“-Bewegung unter Chinas Jugend zu steuern. In einem am Dienstag auf der Plattform WeChat veröffentlichten Beitrag heißt es, ausländische Organisationen finanzierten chinakritische Medien, Denkfabriken und Online-Influencer, um Botschaften wie „Anstrengung gleich Ausbeutung" zu verbreiten. Junge Menschen seien ein „Hauptziel ideologischer Unterwanderung“.

Der Begriff „Lying flat“ (auf Chinesisch „tangping“, zu Deutsch etwa „Flachliegen“) steht für einen Lebensstil, bei dem junge Menschen sich dem Leistungsdruck entziehen, weniger arbeiten oder ganz aus dem Berufsleben aussteigen. Laut dem Ministerium versuchten ausländische Akteure, soziale Ängste zu verstärken und Aussagen wie „Konkurrenzdruck zu widerstehen heißt, Ausbeutung zu widerstehen“ gezielt zu streuen. Die Behörde, die den chinesischen Geheimdienst betreibt, rief junge Menschen auf, hart zu arbeiten und sich nicht beirren zu lassen.

Der Beitrag wurde von Staatsmedien wie Xinhua, CCTV und China News Service weiterverbreitet. Auf Weibo erreichte der Hashtag zur Behauptung, ausländische Organisationen finanzierten Influencer zur Förderung des Müßiggangs, laut der Plattform China Digital Times zeitweise die Spitze der Trendliste. Den separaten Hashtag „Lying Flat" habe Weibo den Angaben zufolge gesperrt.

Breite Kritik in sozialen Netzwerken

In zahlreichen Kommentaren auf Weibo, WeChat und anderen Plattformen wiesen Nutzer die Darstellung des Ministeriums zurück. Sie führten den Rückzug vieler Jugendlicher auf hohe Arbeitslosigkeit, lange Arbeitszeiten, das verbreitete „996“-Arbeitsmodell (von 9 bis 21 Uhr an sechs Tagen pro Woche) sowie schwache Durchsetzung des Arbeitsrechts zurück. Ein Nutzer aus Guangdong schrieb laut China Digital Times, die Probleme ließen sich nicht lösen, indem man „ausländische Kräfte“ verantwortlich mache.

Steve Tsang, Direktor des SOAS China Institute in London, sagte gegenüber der Financial Times, in Zeiten zweistelligen Wachstums habe sich harte Arbeit für viele ausgezahlt, heute nicht mehr. Es sei für die Führung politisch nicht möglich, die Verlangsamung dem Staat oder der Kommunistischen Partei zuzuschreiben. Katja Drinhausen vom Berliner Merics-Institut sagte der Zeitung zudem, Peking könne es sich derzeit nicht leisten, dass Menschen die „kollektive Pflicht zum Aufopfern“ infrage stellten.

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Nach Regierungsangaben lag die Arbeitslosenquote in China unter 16- bis 24-Jährigen in Städten ohne Studierende im März bei 17 Prozent. Bei den 25- bis 29-Jährigen erreichte sie mit 7,7 Prozent einen Höchststand. China hat sich für dieses Jahr ein Wachstumsziel von 4,5 bis 5 Prozent gesetzt – der niedrigste Wert seit Jahrzehnten außerhalb der Corona-Pandemie.

Wiederkehrendes Vorgehen gegen den Trend

Hinzu kommt nach Angaben der Financial Times die Sorge vor weiteren Jobverlusten durch Künstliche Intelligenz, vor allem im Bürobereich. Der Citigroup-Chefökonom für China, Xiangrong Yu, schrieb in einer vom Wall Street Journal zitierten Notiz, die unerwartete Verschlechterung am Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger deute auf eine beginnende Verdrängung durch KI hin.

Behörden gehen bereits seit Jahren gegen die „Lying flat“-Bewegung vor. Laut China Digital Times wurde im Mai 2021 eine Gruppe auf der Plattform Douban mit knapp 10.000 Mitgliedern gesperrt, einen Monat später untersagte eine Zensuranweisung den Verkauf von Waren mit entsprechenden Slogans auf E-Commerce-Plattformen. Im Sommer 2025 seien zudem mehrere bekannte Influencer gesperrt worden, die für den „entspannteren“ Lebensstil warben.

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