9.00 Uhr: Im Innenministerium der DDR wird der 19-zeilige Entwurf einer Regelung besprochen, die DDR-Bürgern eine ständige Ausreise in die BRD ermöglichen soll. Der Grund für die eilig zu erstellende Regelung ist eine Beschwerde der CSSR, die des Flüchtlingsstroms aus der DDR nicht mehr Herr wird.12.00 Uhr: Das Papier, das eigentlich eine Regelung für die ständige Ausreise von DDR-Bürgern in die CSSR und die BRD enthalten sollte, wird erweitert um einen Absatz, der Besuchsreisen regelt. Die "zeitweilige Übergangsregelung" soll am 10. November veröffentlicht werden. Die Zustimmung der sowjetischen Staatsführung zur neuen Reiseregelung wird dem ZK der SED übermittelt. Moskau geht allerdings noch immer davon aus, dass es sich um eine Regelung für die "ständige Ausreise aus der DDR" handelt.14.40 Uhr: Im Amtssitz des Staatsrates der DDR treffen SED-Parteichef Egon Krenz und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Johannes Rau zusammen.16.00 Uhr: Das ZK der SED tagt. Egon Krenz verliest den Beschlussentwurf des Innenministeriums zur "Veränderung der Situation der ständigen Ausreise von DDR-Bürgern nach der BRD". Den eingefügten Passus über private Besuchsreisen erwähnt er nicht.18.53 Uhr: Im internationalen Pressezentrum in der Mohrenstraße erläutert der Erste Sekretär der SED-Bezirksleitung von Ost-Berlin, Günter Schabowski, das neue Reisegesetz mit den Worten: "Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt." Auf Nachfrage antwortet Schabowski: "Das tritt nach meiner Kenntnis . ist das sofort, unverzüglich."19.30 Uhr: Die "Aktuelle Kamera" meldet: "Privatreisen nach dem Ausland können ohne besondere Anlässe beantragt werden."20.00 Uhr: Die "Tagesschau" beginnt mit der Meldung: "Die DDR öffnet die Grenze."20.30 Uhr: Am Grenzübergang Bornholmer Straße und an anderen Übergangsstellen wächst die Menge derer, die Schabowski beim Wort nehmen wollen. Einzelnen wird der Grenzübertritt erlaubt.23.00 Uhr: Bundeskanzler Kohl, der zu einem Staatsbesuch nach Polen gereist ist, wird von seinem Regierungssprecher informiert. Er fliegt noch in der Nacht nach Berlin.23.30 Uhr: Der Schlagbaum am Grenzübergang Bornholmer Straße öffnet sich.------------------------------Foto: Günter Schabowski gibt der schwankenden Mauer den letzten Stoß.
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