BERLIN. Ein bisschen impertinent war sie schon, die Frage an Hans-Dieter Flick, was er denn eigentlich den ganzen Tag mache. Flick ist Assistenztrainer beim DFB-Team und ein wichtiges Mitglied des Betreuerstabes, wie der Bundestrainer Joachim Löw, der den 43-Jährigen erwählt hat, immer wieder betont. Im Detail ist er zum Beispiel zuständig für die individuelle Leistungsanalytik der einzelnen Nationalspieler, und gelegentlich, wenn Löw oder Teammanager Oliver Bierhoff andere Dinge zu tun haben, wird er auch in die Pressekonferenz geschickt, um die aktuelle Befindlichkeit der Mannschaft zu erläutern. Das ist seine Sache eher nicht. Flick ist keiner, der sich in den Vordergrund drängt, und seine Zeit als Assistent der Dampfplauderer Giovanni Trapattoni und Lothar Matthäus in Salzburg hat seine Redseligkeit nicht gerade befördert. Die Frage nach seinem Tagesablauf beantwortet er jedenfalls so zurückhaltend, schwammig und im Endeffekt nichts sagend wie alle anderen Fragen auch. Damit, dass er nicht so in der Öffentlichkeit stehe, könne er "absolut gut leben", sagt er.Als Joachim Löw vor zwei Jahren Nachfolger des Bundestrainers Jürgen Klinsmann wurde, war viel die Rede vom schweren Erbe, das der Badener anzutreten hatte. Das Erbe, das Hans-Dieter Flick bewältigen muss, ist nicht weniger schwer, denn er ist der Nachfolger von Joachim Löw. Der hatte sich im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2006 und dann vor allem während des Turniers in der öffentlichen Wahrnehmung vom anfangs ein wenig belächelten Klinsmann-Knecht in kurzen Hosen zum respektierten Fußball-Fachmann und Taktikfuchs gemausert. Mit jedem Tag wurde damals deutlicher, dass er keineswegs nur dazu da war, den Nationalspielern die von Jürgen Klinsmann ersonnenen Vorgaben einzutrichtern, sondern dass diese Vorgaben zu einem nicht unerheblichen Teil von ihm selbst stammten.Auf eine solche Idee kommt man bei Hans-Dieter Flick nicht, und böse Zungen behaupteten, die Wahl sei vor allem auf den früheren Bayern-Spieler gefallen, weil der nicht mehr Länderspiele als Löw habe - also null. Das war ungerecht, aber dennoch ist Flick eher der Typ des klassischen Co-Trainers, wie er auch bei den anderen Teams im Verborgenen wirkt. Jemand, der mitredet und wichtige Aufgaben erfüllt, die Entscheidungen aber wohlweislich dem Chef überlässt. Mag Joachim Löw auch noch so euphorisch von den intensiven und kontroversen Diskussionen im Trainerstab schwärmen - daran, wer das Sagen hat, gibt es keinen Zweifel.Zerstörter MythosDiese Hierarchie zeigt sich auch bei Pressekonferenzen. Wo Löw wenig sagt, sagt Flick gar nichts. Auch er pflegt sorgsam die wenig glaubwürdige These, dass die Startelf des nächsten Spieles erst nach den allerletzten Trainingseindrücken quasi wenige Minuten vor Anpfiff beschlossen werde. Doch während der begeisterte Plauderer Löw wenigstens verschiedene Varianten diskutiert, ist Flick verschlossen wie eine besonders schüchterne Auster.Vor dem Kroatien-Spiel ist ihm sogar die Frage, ob man ein siegreiches Team nicht besser unverändert lässt, zu heiß. Aber dann entfleucht ihm unversehens doch noch eine verblüffende Information. "Wir nehmen wenig Rücksicht auf den Gegner, sondern ziehen unser System durch", verrät er in Hinblick auf die Stärken der Kroaten und zerstört so den leidenschaftlich gepflegten Mythos von monatelanger Beobachtung des Kontrahenten, wissenschaftlicher Auswertung aller Daten und detailgenauer Einstellung. Das hätte Joachim Löw gewiss diplomatischer formuliert. Auch schon damals als Assistent.------------------------------Foto: Zwei auf einer Bank: Hans-Dieter Flick (r., neben Joachim Löw) spielte als Profi von 1984 bis 1990 beim FC Bayern München, mit dem er viermal Meister wurde, danach beim 1. FC Köln. Als Trainer arbeitete er in Hoffenheim und Salzburg. Im August 2006 holte ihn Löw als Assistenten zum DFB.
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