Pharmaindustrie

Corona-Impfstoff-Hersteller Biontech schließt drei Werke in Deutschland

Der Impfstoffhersteller Biontech schließt seine Produktionsstandorte in Marburg, Idar-Oberstein und Tübingen. Insgesamt 1800 Mitarbeiter sind betroffen.

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Drei deutsche Biontech-Standorte werden geschlossen.

Drei deutsche Biontech-Standorte werden geschlossen.

© Boris Roessler/dpa

Nach monatelanger erfolgloser Käufersuche schließt der Mainzer Pharmakonzern Biontech drei deutsche Produktionsstandorte. Betroffen sind nach Unternehmensangaben rund 1.800 Beschäftigte an den Werken im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein, im hessischen Marburg und in Tübingen in Baden-Württemberg. In Tübingen soll Ende 2027 Schluss sein, in Marburg Anfang 2028 und in Idar-Oberstein Ende 2028.

Dass die Verkäufe nicht zustande gekommen seien, liege im Wesentlichen am aktuell schwierigen Markt- und Investitionsumfeld, teilte Biontech mit. Mit dem Konzernbetriebsrat seien ergänzende Abfindungskonditionen vereinbart worden, um die Schließungen sozialverträglich zu gestalten. Details nannte das Unternehmen zunächst nicht.

Werk in Marburg mit langer Geschichte

Im Marburger Werk auf dem Gelände der historischen Behringwerke wurden bislang mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19 sowie Plasmid-DNA hergestellt. Biontech hatte den Standort einst vom Schweizer Konzern Novartis übernommen. In Idar-Oberstein werden unter anderem Therapeutika für frühe klinische Entwicklungsphasen produziert. Beim Tübinger Standort handelt es sich um den Sitz von Curevac, dem einstigen Konkurrenten im Rennen um einen Corona-Impfstoff, dessen Übernahme Biontech im Sommer 2025 angekündigt hatte.

Die Pläne für die drei Schließungen hatte Biontech bereits im Frühjahr bekanntgegeben und mit geringer Auslastung, Überkapazitäten, Kosteneinsparungen und dem Fokus auf Krebsmedizin begründet. Curevac-Gründer Ingmar Hoerr warf Biontech daraufhin Täuschung vor: Bei der Übernahme sei vereinbart worden, ein gemeinsames Unternehmen zu schaffen, das sich gegenseitig befruchte – diese Zusage sei über den Haufen geworfen worden.

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Impfstoff-Nachfrage geht seit Jahren zurück

Anders verlief der Verkauf der Berliner Tochter JPT Peptide Technologies mit rund 130 Beschäftigten, die von der Münchner Dubag Group übernommen wurde. Biontech hatte gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer einst die erste Zulassung für einen Corona-Impfstoff erhalten und damit Milliarden verdient. Seit einigen Jahren geht die Nachfrage jedoch zurück, ein weiteres zugelassenes Produkt hat der Konzern bislang nicht.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres verzeichnete Biontech einen Verlust von 1,35 Milliarden Euro nach 802,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Mitbegründer Ugur Sahin und Özlem Türeci verlassen das Unternehmen spätestens Ende dieses Jahres und wollen mit der neuen Firma Arife in Mainz mRNA-Medikamente der nächsten Generation entwickeln. Sahins Nachfolger als Vorstandschef wird spätestens zum 1. Februar 2027 Guido Oelkers, bisher an der Spitze des schwedischen Biopharma-Unternehmens Sobi. (mit dpa)

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