Mit den standardmäßig angewandten PCR-Tests lassen sich schon kleinste Virusmengen nachweisen. Sie beruhen auf der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion, bei der Erbmaterial (RNA) der Coronaviren isoliert und vermehrt wird. Schon eine minimale Viruslast (Menge an Viren) werde als positiv angezeigt, schreibt die „New York Times“. Die Tests zeigten viele positive Ergebnisse bei Menschen, die gar keine Symptome hätten und kaum oder nicht ansteckend seien.
Es sei allerdings möglich, die Viruslast auch aus dem PCR-Test abzuleiten. Je weniger sogenannter Zyklen zur Vermehrung der RNA nämlich notwendig seien, um das Virus nachzuweisen, desto höher sei die Viruslast und desto ansteckender die Person. Dies werde aber von den Labors nicht an Ärzte und Patienten mitgeteilt. Außerdem werde die sogenannte Zyklusschwelle zu hoch angesetzt. Bei 37 oder 40 Zyklen würden oft keine aktiven Viren entdeckt, sondern RNA-Fragmente, von denen keine Gefahr mehr ausgehe.
Deshalb müsse die Zyklusschwelle gesenkt werden, etwa auf höchstens 30, fordert der Epidemiologe Michael Mina von der Harvard T.H. Chan School of Public Health. Am Beispiel eines New Yorker Labors weist die Zeitung nach, dass 70 Prozent der Getesteten nicht mehr als positiv gelten würde, wenn man die Schwelle der Test-Zyklen von 40 auf 30 senken würde. In einem Labor in Massachusetts seien es sogar 85 bis 90 Prozent. Insgesamt seien 90 Prozent der mit dem PCR-Test positiv Getesteten kaum mit Viren infiziert. Also müsste auch nur nur ein Zehntel der positiv Getesteten isoliert werden.
Um die Ausbreitung des Virus zu kontrollieren, sei es vor allem notwendig Schnelltests auszubauen, sagt Michael Mina. Diese seien weniger sensitiv, aber mit ihnen ließen sich recht gut die Personen erkennen, die besonders ansteckend seien – vor allem die sogenannten Superspreader, also Infizierte, die besonders viele Leute ansteckten, während die größte Zahl der Infizierten kaum zur Verbreitung beiträgt. „Das alleine würde die Epidemie praktisch auf null bringen“, so Mina.
Zu solchen Tests gehören unter anderem Antigentests, die in Südkorea, China und den USA entwickelt werden. In ihrer einfachsten Form sind sie sehr billig und wie Schwangerschaftstests anwendbar – nur auf der Basis von Speichelproben. Leider dürfen sie von Apotheken in Deutschland bisher nicht an Kunden verkauft und auch nicht an Patienten getestet werden.
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