Rüstung

Covenant: Stellt das US-Unternehmen auf diesem Werksgelände in Leipzig Marschflugkörper her?

Das Rüstungsunternehmen Covenant hat in Leipzig eine neue Fertigungshalle für Marschflugkörper eröffnet. Das Vorhaben gilt als kontrovers, die Bundeswehr wird wohl trotzdem kaufen.

5 Min
Auf dem Gelände dieses Logistikdienstleisters im Leipziger Norden soll sich die Marschflugkörper-Fabrik befinden. Eine offizielle Bestätigung steht noch aus.

Auf dem Gelände dieses Logistikdienstleisters im Leipziger Norden soll sich die Marschflugkörper-Fabrik befinden. Eine offizielle Bestätigung steht noch aus.

© Ralf Seegers

Das US-Rüstungsunternehmen Covenant hat am 5. Oktober 2026 im Leipziger Norden eine über 10.000 Quadratmeter große Produktionshalle eröffnet. Nach Angaben des Unternehmens soll die Serienfertigung des Marschflugkörpers Anthem im ersten Quartal 2027 anlaufen.

Geplant sind zunächst 1.000 Flugkörper pro Jahr, ab 2028 bis zu 5.000 Stück jährlich. Zum Produktionsstart sollen 60 bis 250 Arbeitsplätze entstehen, mittelfristig mehrere Hundert.

Die Rüstungsfabrik soll sich laut OAZ-Recherchen auf dem Gelände des Logistikdienstleisters Ceva in unmittelbarer Nähe des Leipziger BMW-Werks befinden. Eine offizielle Bestätigung dazu steht noch aus.

Bis zu 5000 Anthem-Marschflugkörper im Jahr

Anthem ist ein bodengestarteter Marschflugkörper für sogenannte „Deep Precision Strike“-Einsätze, also präzise Angriffe auf weit hinter der Front liegende Ziele. Das System trägt nach Unternehmensangaben eine Nutzlast von mehr als 200 Kilogramm und soll eine Reichweite von rund 1.500 Kilometern erreichen.

Zum Einsatz kommen ein Feststoffbooster für den Start, ein mit schwerem Flugkraftstoff betriebenes Strahltriebwerk für den Reiseflug sowie eine eigene Software für Missionsplanung und Führung.

Nach Angaben von Covenant basiert das System überwiegend auf kommerziell verfügbaren Standardkomponenten; mehr als 95 Prozent der Lieferkette sollen aus Europa stammen, um unabhängig von Exportbeschränkungen zu sein.

Der Preis pro Stück wird im mittleren sechsstelligen Bereich angegeben, deutlich unterhalb bekannter Systeme wie Taurus oder Tomahawk, die laut Unternehmensdarstellung mehrere Millionen Euro kosten. Covenant verweist auf mehr als 200 Testflüge seit August 2025; ein Langstreckentest mit einem anonymisierten Industriepartner in Marokko sei durch die US Army amtlich dokumentiert.

Nach offiziellen Angaben des Herstellers werden in der Leipziger Produktionshalle lediglich die weitreichenden Marschflugkörper montiert. Die eigentliche Bestückung mit dem 200 Kilogramm schweren Gefechtskopf und dem dazugehörigen Sprengstoff soll erst vor Ort direkt bei den Kunden (den jeweiligen Armeen in Europa) erfolgen. Von der Halle selbst gehe keine Gefahr durch Explosivstoffe aus.

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Die Marschflugkörper vom Typ Anthem sollen 250 Kilogramm Nutzlast über eine Reichweite von 1500 Kilometer transportieren. Kritiker sehen das System als Erstschlagwaffe.

Die Marschflugkörper vom Typ Anthem sollen 250 Kilogramm Nutzlast über eine Reichweite von 1500 Kilometer transportieren. Kritiker sehen das System als Erstschlagwaffe.

© Hendrik Schmidt/dpa

Die Bundeswehr befindet sich nach Medienberichten in konkreten Gesprächen mit Covenant, da im deutschen Arsenal eine Lücke bei Langstreckenwaffen besteht. Noch in diesem Jahr könnte eine Beschaffungsvorlage in den Haushaltsausschuss des Bundestages eingebracht werden. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) begrüßte die Ansiedlung ausdrücklich.

Protest in der Stadt, Streit im Rat

Innerhalb der Leipziger Stadtgesellschaft gilt die Rüstungsansiedlung als strittig. Bereits am Montagabend des 5. Oktober versammelten sich laut Medienberichten mehrere Hundert Menschen zu Protesten direkt an der Fabrik. Parallel fand eine Kundgebung auf dem Willy-Brandt-Platz nahe dem Hauptbahnhof statt, zu der unter anderem das Bündnis „Internationale Jugend Leipzig“ aufgerufen hatte.

Die Polizei begleitete die friedlich verlaufenen Aktionen. Die Kritiker verweisen auf die Geschichte Leipzigs als Stadt der „Friedlichen Revolution“ von 1989 und fordern, dass die Stadt ein „Weltfriedensort“ bleibe, anstatt die Produktion von Mittelstreckenwaffen wirtschaftspolitisch zu fördern.

Am 26. September gingen Tausende in Leipzig gegen die Covenant-Ansiedlung auf die Straße: Das Vorhaben gilt in weiten Teilen der Leipziger Stadtgesellschaft als umstritten.

Am 26. September gingen Tausende in Leipzig gegen die Covenant-Ansiedlung auf die Straße: Das Vorhaben gilt in weiten Teilen der Leipziger Stadtgesellschaft als umstritten.

© IMAGO/Maria Castro/IMAGO/ZUMA Press Wire

Im Stadtrat lehnen neben den Linken auch das Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft (BSW), die AfD und die Kleinpartei Freie Sachsen das Werk strikt ab. Kritisiert werden die Produktion von Offensivwaffen sowie mangelnde Transparenz, da die Ansiedlung bis zur Bestätigung im September lange unter Verschluss gehalten worden sei.

Grüne, CDU und FDP reagieren differenzierter: Sie erkennen Verteidigungsfähigkeit und wirtschaftliche Dynamik an, diskutieren intern aber über ethische Fragen und Sicherheitsanforderungen.

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) verteidigt die Ansiedlung vor allem aus wirtschafts- und ordnungsrechtlicher Perspektive. Rechtlich handele es sich lediglich um die Umwidmung einer bestehenden Logistik-Lagerhalle in eine Fertigungshalle, was bau- und gewerberechtlich eine Formsache sei, so Jung im Stadtrat.

Er versicherte zudem, in Leipzig erfolge ausschließlich die serielle Montage der Flugkörper; Gefechtsköpfe oder sprengfähiges Material würden vor Ort nicht verarbeitet. Befürworter verweisen zudem auf die Arbeitsplätze und Steuereinnahmen.

Start-up mit großem Geheimhaltungsbedarf

Covenant wurde 2024 vom US-Israeli Michael Kaufman und dem israelischen Rüstungsingenieur Ofir Dayan gegründet. Erst im September 2026 trat das Unternehmen mit der Vorstellung des Anthem-Marschflugkörpers an die Öffentlichkeit.

Ofir Dayan (v. l. n. r.), Mitgründer und Chief Technology Officer von Covenant, Michael Kaufman, CEO von Covenant, Abby Denburg, Präsidentin von Covenant, Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, und Johannes Steiniger (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, eröffnen die Produktionshalle des US-Rüstungsunternehmens Covenant in Leipzig.

Ofir Dayan (v. l. n. r.), Mitgründer und Chief Technology Officer von Covenant, Michael Kaufman, CEO von Covenant, Abby Denburg, Präsidentin von Covenant, Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, und Johannes Steiniger (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, eröffnen die Produktionshalle des US-Rüstungsunternehmens Covenant in Leipzig.

© Hendrik Schmidt/dpa

Das Unternehmen hat laut eigenen Angaben bislang über 250 Millionen US-Dollar an Risikokapital eingesammelt, unter anderem von Andreessen Horowitz, Lux Capital, Founders Fund, 8VC, Aleph und Lightspeed. Seit dem 7. Mai 2026 ist die deutsche GmbH im Lobbyregister des Bundestages eingetragen und nennt als Interessenbereiche unter anderem Rüstungs- und Verteidigungspolitik, Außenpolitik sowie den Arbeitsmarkt.

Neben Leipzig unterhält Covenant Produktionsstandorte in Dallas (Texas) und Nordisrael. Nun soll die Produktion in Leipzig hochgefahren werden.

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