Mehrere hundert Menschen haben am Samstag beim CSD Bernau friedlich für mehr Akzeptanz und gegen Hass demonstriert. Der angekündigte Gegenprotest von Rechtsextremen blieb dagegen klein.
Nach Polizeiangaben zogen die Teilnehmenden unter dem Motto „Mehr Glitzer, weniger Hass! L(i)eb doch, wie du willst!“ durch die Stadt im Landkreis Barnim. Für Aufsehen sorgte vor allem eine Szene am Rand: Die Polizei griff eine Teilnehmerin der Gegendemonstration auf, weil sie ein Hakenkreuz offen am Arm gezeigt haben soll. Ein Blick auf den Tag zeigt, wer beim CSD Bernau mitzog, wer dagegen mobilisierte und warum der Umzug überhaupt erst im Herbst stattfand.
Polizei spricht von friedlichem Verlauf
Der Christopher Street Day in Bernau verlief nach Angaben der Polizei friedlich. Mehrere hundert Menschen beteiligten sich an dem Umzug. Sie warben für Akzeptanz und wandten sich gegen Queerfeindlichkeit. Beim CSD wird weltweit für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans, queeren und intergeschlechtlichen Menschen demonstriert.
Zum Gegenprotest hatte die Neonazi-Gruppierung Deutsche Patrioten voran aufgerufen. Ihm folgten nach Angaben eines Polizeisprechers nur wenige Menschen. Die Polizei griff nach eigenen Angaben eine Teilnehmerin der Gegendemonstration auf. Sie soll ein Hakenkreuz offen am Arm getragen haben.
Wer steckt hinter Deutsche Patrioten voran
Die Gruppierung wird laut einem Bericht von queer.de, der sich auf die dpa und den Brandenburger Verfassungsschutzbericht 2025 stützt, dem „gewaltorientierten subkulturellen Neonationalsozialismus“ zugeordnet. Ihr Schwerpunkt liege auf Störaktionen gegen CSDs und queere Veranstaltungen.
Im Vorfeld habe die Gruppe laut dem queeren Portal SCHWULISSIMO vor allem über Instagram mobilisiert und dabei mit dem Vorwand „Kinderschutz“ geworben. Bei einem CSD in Rathenow habe dieselbe Strategie zuvor ebenfalls kaum verfangen, dort blieb die Zahl der Gegendemonstranten demnach unter 40. Der Druck auf queere Menschen ist bundesweit gestiegen. Für 2023 zählten das Bundesinnenministerium und das Bundeskriminalamt 1785 politisch motivierte Straftaten gegen LSBTIQ, nach 1188 im Jahr zuvor. In Brandenburg registrierte die Polizei für 2025 insgesamt 5443 politisch motivierte Straftaten, den zweithöchsten Wert im Zehnjahresvergleich.
Ursprünglich war der CSD für den 27. Juni 2026 geplant. Wegen einer amtlichen Hitzewarnung mit Temperaturen von fast 40 Grad wurde er in den Herbst verschoben, wie die Märkische Oderzeitung berichtete.
Der CSD Bernau war bereits 2024 und 2025 mit rechtsextremen Gegenprotesten konfrontiert. Einer der früheren Wortführer, Julian M. von der Gruppierung Deutsche Jugend voran, konnte diesmal nicht teilnehmen. Er sitze derzeit in Haft und müsse sich wegen volksverhetzender Parolen bei früheren Protesten demnächst vor dem Amtsgericht Bernau verantworten, berichtete die Märkische Oderzeitung.
Sperrungen und Busausfälle am CSD-Tag
Wegen des Umzugs und der Gegenkundgebung kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Nach Angaben der Barnimer Busgesellschaft sperrte die Polizei ab 8 Uhr den Innenstadtbereich sowie die Landesstraßen L30 und L200. Der zentrale Busbahnhof am S-Bahnhof Bernau konnte zwischen 8 und 16 Uhr nicht angefahren werden. Mehrere Linien wurden umgeleitet oder verkürzt, die Linie 870 fiel ganz aus.
Vom „queeren Nachmittag“ zur vierten Ausgabe
Der Bernauer CSD fand 2026 zum vierten Mal statt. Noch 2023 gab es laut der Partnerschaft für Demokratie Bernau keinen festen Ort für die queere Community vor Ort. Beim ersten CSD seien nach Angaben der Stadt rund 350 Menschen dabei gewesen. Gefördert wird das Format aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“.
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Am selben Samstag fand auch in Strausberg (Landkreis Märkisch-Oderland) ein CSD statt. Die dortige Ortsgruppe der Linken verband den Tag mit Sozialprotesten in Berlin und rief dazu auf, „gemeinsam gegen soziale Kürzungen, für einen starken Sozialstaat und für queere Sichtbarkeit auf die Straße“ zu gehen.
Bernau ist Teil einer dichten Pride-Landschaft. Der Landesverband AndersARTIG zählte für 2026 rund 25 bis 26 CSDs und Pride-Events in Brandenburg.
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