Schweiz

Cybererpressung: Schweizer Rüstungskonzern Ruag zahlte Lösegeld an Hackergruppe Akira

Akira hatte größere Datenmengen entwendet und mit einer Veröffentlichung im Darknet gedroht. Ruag spricht von einem begrenzten finanziellen Schaden.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Ruag gehört dem Schweizer Bund und ist im Rüstungsbereich tätig.

Ruag gehört dem Schweizer Bund und ist im Rüstungsbereich tätig.

© Manuel Geisser/imago

Der bundeseigene Schweizer Rüstungskonzern Ruag hat nach einem Hackerangriff auf seine US-Tochter Ruag LLC ein Lösegeld an die Erpressergruppe Akira gezahlt. Das bestätigte Verwaltungsratspräsident Jürg Rötheli in der Samstagsrundschau des Schweizer Radios und Fernsehens (SRF). „Wir haben bezahlt und haben glücklicherweise alle Daten zurückerhalten“, sagte Rötheli. Es habe sich um einen „kleineren Betrag“ gehandelt, eine genaue Summe nannte er nicht.

Die Hackergruppe Akira war im Herbst in die Systeme der US-Tochter eingedrungen und hatte größere Datenmengen entwendet. Sie drohte mit der Veröffentlichung angeblich vertraulicher militärischer Daten im Darknet, sollte Ruag nicht zahlen.

Eigentümer erfuhr erst nachträglich davon

Mit der Zahlung handelte Ruag gegen die Empfehlung der Schweizer Behörden. Das Bundesamt für Cybersicherheit rät grundsätzlich davon ab, Lösegelder zu zahlen, weil damit kriminelle Strukturen finanziert und weitere Angriffe begünstigt würden. Rötheli sagte dem SRF, die Entscheidung sei mit unternehmensinternen Gremien abgesprochen und von US-Rechtsexperten begleitet worden. Ruag habe sie im Rahmen seiner unternehmerischen Eigenständigkeit getroffen.

Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), das den Bund als Eigentümer vertritt, teilte SRF mit, vor der Zahlung nicht informiert worden zu sein. Eine Bewertung des Vorgangs wollte das Departement zunächst nicht abgeben.

Sicherheitsbehörden beschreiben die Hackergruppe Akira als finanziell motivierte Ransomware-Gruppe, die seit März 2023 aktiv ist. Nach einer gemeinsamen Warnung von FBI, CISA, Europol und weiteren Partnern verschaffen sich die Täter häufig über VPN-Zugänge, gestohlene Zugangsdaten oder ausgenutzte Schwachstellen Zugriff auf Unternehmensnetze, stehlen Daten und verschlüsseln Systeme, um Opfer doppelt zu erpressen.

Kritik aus dem Parlament

SVP-Nationalrat Mauro Tuena kritisierte die Zahlung scharf. „Ich bin schockiert“, sagte er laut SRF. Die Hackergruppe wisse nun, dass der Bund zur Zahlung bereit sei. Ruag verteidigte den Schritt: Der finanzielle und sicherheitsrelevante Schaden habe so auf ein Minimum begrenzt werden können.

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Nach Angaben der Bundesanwaltschaft in Bern sowie des Bundesamts für Cybersicherheit sind in der Schweiz bislang rund 200 Unternehmen von Akira-Angriffen betroffen. Die US-Behörden bezifferten die bekannten Lösegelder bis Ende September 2025 auf weltweit rund 244 Millionen Dollar.

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