Dass auch die freie Marktwirtschaft strengen Regeln zu folgen hat, gerät gelegentlich in Vergessenheit - durchaus nicht nur bei ihren Kritikern. Manchmal sind es hohe Manager, die glauben, sie könnten sich über alle Gebote von Recht und Anstand hinwegsetzen. Nun hat Brüssel Vertreter von ThyssenKrupp und anderen Fahrstuhlherstellern dabei erwischt, wie sie Märkte aufteilten, einander Aufträge zuschanzten und so die Preise diktierten. Den Schaden tragen zunächst die Auftraggeber. Letztlich aber trifft es fast jeden, wenn in Krankenhäusern, Bahnhöfen oder Kaufhäusern überteuerte Rolltreppen und Fahrstühle eingebaut und auch die Wartungskosten nach oben manipuliert werden.Schon aus diesem Grund ist die Milliardenbuße der EU gegen die Kartellmitglieder zu begrüßen. ThyssenKrupp erhielt als Wiederholungstäter eine besonders hohe Strafe: Die 480 Millionen dürften den Konzern wie auch seine Aktionäre noch lange schmerzen. Zu denken gibt indes, dass nach Siemens im Januar nun abermals einem deutschen Unternehmen die fragwürdige Ehre zuteil wurde, den bisherigen Bußen-Rekord in Europa zu übertreffen. Zählen vielleicht die Prinzipien und Paragrafen des fairen Wettbewerbs in hiesigen Vorstandsetagen nicht mehr genug? Freuen darf sich jedenfalls der Bundesfinanzminister. Brüssel kassierte binnen zwei Monaten fast zwei Milliarden Euro an Kartellstrafen von Konzernen. Das mindert den deutschen EU-Beitrag um mindestens 350 Millionen Euro. Auch das ist kein Klacks.
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