Tonight: Franz Ferdinand": so heißt das neue Album der schottischen Band Franz Ferdinand, das im Januar erscheinen wird. Dabei handelt es sich um ein aus zwölf Stücken bestehendes Konzeptwerk, das sich mit der Nacht im Allgemeinen und dem nächtlichen Ausgehen im Besonderen befasst. In chronologischer Reihenfolge berichtet des lyrische Franz-Ferdinand-Ich davon, wie es sich schminkt, fertig macht, in die Nacht geht, high wird und wieder runterkommt. Auch der Wunsch, Mädchen kennenzulernen, spielt eine Rolle, was insofern eine Veränderung gegenüber der letzten Franz-Ferdinand-Platte darstellt, als diese vor allem davon handelte, wie man die Mädchen, die man am Anfang des Abends kennengelernt hat, am nächsten Morgen wieder loswird. Libidinös betrachtet, geht es also zu den Anfängen zurück. In ästhetischer Hinsicht dokumentiert die Platte nach Auskunft der Band hingegen ein neu erwachtes Interesse an elektronischer Musik. "Punkrock ist langweilig geworden", so Alex Kapranos im Gespräch mit dieser Zeitung, "es war Zeit, etwas Neues auszuprobieren".Auf der Platte kann man tatsächlich Discomusik, Funkbässe und Technobeats hören; als wesentliche Einflüsse erscheinen hier Boney M., Bootsy Collins und Sven Väth. In dem Konzert, das Franz Ferdinand am Montag im Kesselhaus gaben, war davon allerdings nur wenig zu hören; hier war die Lust, "etwas Neues auszuprobieren", auffällig gedämpft. Neben den beliebten Hits - "This Fire", "Jacqueline" und natürlich "Take Me Out", zu dessen hüpfendem Rhythmus Band und Publikum in einer herrlichen Welle rhythmisch hinauf- und herunterhüpften - gab es nur wenige neue Titel zu hören, fünf von insgesamt 16. Man erkannte sie daran, dass Nick McCarthy seine Gitarre nachlässig hinter dem Rücken baumeln ließ und stattdessen an einem Moog herumdrehte, der mit Geräuschen wie "quäk" oder "moauoauäg" reagierte; Kapranos begann sich im gleichen Moment plötzlich hektisch in den Haaren zu wuscheln und erinnerte damit an Róisín Murphy.Sie hätten ihre neuen Songs komponiert, wie man einen Frosch kocht, hatte der Sänger zuvor erläutert: Wie der Frosch nicht erkennt, dass er siedet, solle das Publikum nicht merken, dass es keine Gitarrenmusik mehr hört. Gut konnte man dieses Prinzip in "Bite Hard" nachvollziehen, dem Eröffnungsstück; es bewegte sich aus einer sanft übersungenen Piano-Ouvertüre in eine Art Club-Track, dessen Gerüst von forscheren Pianoschlägen gebildet wurde. Die Single "Ulysses", gegen Ende des Hauptteils dargeboten, kombinierte hingegen einen druckvollen Elektrobeat mit La-la-la-basierten Chorgesangsmotiven, die an die holländische Gruppe Bots und ihren Hit "Was wollen wir trinken" erinnertenStücke wie diese wirkten zwar repetitiver gebaut als der durchschnittliche Franz-Ferdinand-Song, endeten aber dennoch gerne mit jaulenden Soli und sogar wilden Gitarrenduetten zwischen Kapranos und McCarthy. Dass die Band "keine Rockmusik mehr machen möchte", wie Kapranos ankündigte, war im Konzert nicht wirklich zu spüren; im Gegenteil wirkten die Musiker während ihres 75-minütigen Sets sogar rockistischer als sonst. Soll dies die Frösche in Sicherheit wiegen? Bis die Viecher ganz durchgekocht sind, muss man das Wasser noch ziemlich erhitzen.------------------------------Foto: Einer der ganz wenigen Männer auf der Welt, dem selbst orangefarbene Oberhemden stehen: Alex Kapranos von Franz Ferdinand in Berlin.
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