Fernsehen

ZDF streicht Musiker Danger Dan aus Sendung: „Skandalöser Eingriff in die Meinungsfreiheit“

Der Musiker Danger Dan will seinen neuen Song „Keine Angst“ in der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ spielen. Sein Auftritt fällt aus, er sieht einen politischen Hintergrund.

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Der Musiker Danger Dan hätte im ZDF auftreten sollen, wurde nach eigenen Angaben aber ausgeladen.

Der Musiker Danger Dan hätte im ZDF auftreten sollen, wurde nach eigenen Angaben aber ausgeladen.

© Bernd Wüstneck/dpa

Der Musiker Danger Dan und der Pianist Igor Levit sollten in der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ gemeinsam ein Lied aufführen. Kurz vor der Aufzeichnung untersagte nach Angaben der Künstler die ZDF-Intendanz den Auftritt. Die Beiden äußerten scharfe Kritik.

Danger Dan und Igor Levit sind nach eigenen Angaben kurz vor einer geplanten Aufzeichnung der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ vom Sender ausgeladen worden. Das teilten die beiden Künstler am Donnerstag in einem gemeinsamen Beitrag auf Instagram mit, das ZDF bestätigte die Information und nahm Stellung. Danger Dan (bürgerlich Daniel Pongratz) ist nicht nur als Solokünstler tätig, sondern auch als Mitglied der linken Band „Antilopen Gang“ bekannt, ursprünglich als Rapper, inzwischen auch als Sänger, Pianist und Songwriter. Der in Russland geborene Igor Levit ist Pianist und politischer Aktivist.

Neues Lied hätte in Sendung am Dienstag gespielt werden sollen

Vorgesehen war den Angaben zufolge die Aufführung eines Liedes mit dem Titel „Keine Angst“, das in der Nacht zum Freitag veröffentlicht werden soll. Der Text habe dem Sender bereits seit Wochen vorgelegen, auch der hauseigene Justiziar habe nach ihren Informationen zugestimmt, erklärten die Musiker. Den Song beschreibt Danger Dan als antifaschistisch. Die Redaktion von „Die Anstalt“ habe gegen die Ausladung der Künstler protestiert und ihre Sendung umgeschrieben, um das Lied einzubinden. In der Ausgabe am kommenden Dienstag werde darauf eingegangen.

Danger Dan und Levit bezeichneten das Vorgehen als „Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit“ und nannten es „skandalös“. Der Vorgang erschüttere sie, so die beiden Künstler wörtlich: „Das nennt man nicht Demokratie, das ist ein autoritärer Akt.“ Debatten über einzelne Textzeilen gehörten in einer Demokratie dazu, ein autoritäres Eingreifen einer Intendanz in Sendungen und ein Verbot antifaschistischen Liedguts jedoch nicht.

ZDF sieht möglichen „Aufruf zu Gewalt“

Das ZDF bestätigte in einer Stellungnahme, dass Danger Dan zur 100. Ausgabe von „Die Anstalt“ eingeladen gewesen sei. Die Sendung setze sich mit der wachsenden politischen Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie auseinander. Geplant gewesen sei sowohl die Aufführung des Liedes „Keine Angst“, das sich mit dem Widerstand gegen Rechtsextremismus befasse, als auch eine anschließende Diskussion darüber.

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Der Text des Liedes könne allerdings als Aufruf zu Gewalt verstanden werden, teilte der Sender mit. Ein solcher Aufruf stünde im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF. Eine intensive redaktionelle Bewertung, in die auch die Geschäftsleitung eingebunden gewesen sei, habe ergeben, dass dieser Widerspruch im Anschluss an die mehr als siebenminütige Live-Performance nicht aufzulösen gewesen sei. Das ZDF kündigte an, sich zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied zu befassen und es an anderer Stelle im Programm aufzuarbeiten.

Schon früher Probleme mit dem ZDF

Die Musiker verwiesen zudem auf frühere Auseinandersetzungen mit dem Sender. So sei bei einem gemeinsamen Auftritt in der Sendung von Jan Böhmermann hinter den Kulissen Streit entstanden, und bei der Verleihung des Opus Klassik sei eine AfD-kritische Passage in ihrer Laudatio zunächst zensiert worden. Nach öffentlicher Kritik habe der Sender die Zensur damals im Stream rückgängig gemacht und sich entschuldigt.

Danger Dan und Levit kündigten an, das Lied am Dienstag gemeinsam in Berlin aufzuführen. Nähere Angaben dazu machten sie zunächst nicht. Eine Stellungnahme des ZDF lag zunächst nicht vor.

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