Nach Dani Levys Worten war es ihm ein Bedürfnis, weil "man sonst innerlich platzt. Ich wollte es einfach rausschreien." Aber der Regisseur schrie nicht zum Start seines Films "Alles auf Zucker!" mit Henry Hübchen, Hannelore Elsner und Co., er schrieb. Eine Ketten-E-Mail zunächst an rund 200 Freunde und Bekannte. Das Ergebnis ist eine ziemlich ungewöhliche Werbekampagne. Hauptaussage: "Leute, geht rein." Längst ist der familiäre Rahmen gesprengt, mittlerweile kann sich jeder den Werbetext in eigener Sache bequem von der Internetseite www.x-filme.de runterladen."Liebe Freunde, Bekannte, Unbekannte, liebe Kollegen und Kolleginnen", überschreibt Dani Levy, in Berlin lebender Regisseur mit Geburtsort Basel, seinen Aufruf. "Ich schreibe euch, weil ich mir wünsche, dass möglichst viele Menschen den Film sehen können." Es sei "alles andere als selbstverständlich", dass man einen solchen Film "im heutigen Deutschland überhaupt machen konnte". Die Gefahr missverstanden zu werden sei riesig. "Es war alles andere als ,normal', dass eine deutsche Komödie über Juden entstehen konnte." Politische Absolution hat Levy von Paul Spiegel, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, erhalten. Der hatte bei der Premiere des Werks vorige Woche in Köln nach eigener Darstellung viel gelacht und anschließend gesagt: "Hier wird nicht über uns Juden gelacht, sondern mit uns Juden." Fehlte noch das Publikum.Die Werbemail des Regisseurs darf schon jetzt als Erfolg verbucht werden. Als wahlweise "fantastisch" oder auch einfach nur "sehr gut" beschreiben die Filmkaufleute der Firma X-Verleih aus Schöneberg den Start. Den am vorigen Donnerstag angelaufenen Filmkunstfilm - und als solcher gilt er - sahen am ersten Wochenende rund 75 000 Besucher. Jede der 67 Kopien, die deutschlandweit ausgegeben wurden, sahen durchschnittlich mehr als tausend Besucher. Zum Vergleich: Ein Blockbuster wie "Ocean's Twelve" ist mit 760 Kopien am Start. "Tausend Zuschauer pro Kopie ist für so einen Film außergewöhnlich", sagt Hermann Lorsbach von X-Verleih. Und das gegen Konkurrenz wie etwa die Musiker-Biografie "Ray" aus Hollywood.Levys Bittbrief darf übrigens auch als Handlungsanweisung für die nächsten Wochen gelesen werden. "Empfehlt uns", schreibt der Regisseur zum Schluss, "der Film braucht euch. Damit er die Chance hat zu wachsen."Genau das soll er jetzt tun. Ab Donnerstag laufen hundert Kopien. "Wir bauen vorsichtig auf. Man darf nicht sofort in die Breite geben", beschreibt X-Verleih-Mann Lorsbach die Strategie. Wie es weiter geht? "Es kann gut sein, dass der Film Langläuferqualitäten hat", sagt er.Da werden Erinnerungen an den bisher größten Erfolg der Berliner Produktionsfirma X-Filme wach. "Good Bye, Lenin!" war mit rund 100 Kopien auch eher vorsichtig gestartet. Am Ende hat er Rekorde im Dutzend gebrochen und ist mit 41 nationalen und internationalen Preisen überschüttet worden.Aussicht auf einen ersten Preis hat "Alles auf Zucker!" schon jetzt. Die Fachzeitschrift Blickpunkt Film vergibt für jeden Film mit Tausenderschnitt zum Start einen "Bogey".------------------------------Foto: Dani Levy ist stolz auf "Alles auf Zucker!" Für ihn ist eine deutsche Komödie über Juden keine Selbstverständlichkeit.
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