Klima-Prognose

Das Christkind wird zum Rekord: Am Donnerstag sagt Genf, wie schlimm El Niño wird

El Niño 2026: Am 3. September stellt die Weltwetterorganisation ihre neue Prognose vor. Die NOAA sieht über 90 Prozent Chance auf ein sehr starkes Ereignis.

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So sieht El Niño aus dem All aus: Je dunkler das Rot, desto stärker weicht die Meeresoberflächentemperatur nach oben ab. Am 3. September legt die Weltwetterorganisation ihre neue Prognose vor. (Symbolbild)

So sieht El Niño aus dem All aus: Je dunkler das Rot, desto stärker weicht die Meeresoberflächentemperatur nach oben ab. Am 3. September legt die Weltwetterorganisation ihre neue Prognose vor. (Symbolbild)

© NOAA

Am Donnerstag um 10 Uhr tritt in Genf die Chefin der Weltwetterorganisation vor die Kameras und sagt, wie stark das Christkind wird. Die US-Klimabehörde NOAA hält ein sehr starkes El-Niño-Ereignis im Herbst und Winter für zu über 90 Prozent wahrscheinlich, einzelne Modelle sprengen inzwischen die Skala. Was das für Europa heißt, hat der Deutsche Wetterdienst gerade durchgerechnet – mit einem klaren Hinweis an alle, die schon den Winter planen.

Es geht um einen Streifen Ozean zwischen Peru und der Datumsgrenze, rund 5000 Kilometer lang. Dort steht das Wasser derzeit mehr als zwei Grad über dem Normalwert.

Über dieser Warmzone türmen sich hochreichende Gewitterwolken auf. Beim Kondensieren setzen sie enorme Mengen Wärme frei, die Wärme verschiebt die tropische Zirkulation, und die verschiebt am Ende den Jetstream. So kommt ein Stück Pazifik bis nach Mitteleuropa.

Donnerstag, 10 Uhr: Was in Genf verkündet wird

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) veröffentlicht ihr El Niño/La Niña Update viermal im Jahr, die Pressekonferenz mit Generalsekretärin Celeste Saulo überträgt UN WebTV. Weil das Update die Rechnungen aller globalen Klimazentren zusammenführt, gilt es als maßgebliches Dokument für Regierungen und Hilfsorganisationen.

Eine zweite Zahl folgt eine Woche später: Am 10. September erscheint die nächste ENSO-Diagnose des US-Klimavorhersagezentrums CPC. Beide Häuser liefern Wahrscheinlichkeiten, deren Trefferquote im Herbst deutlich steigt – im Frühjahr sind ENSO-Prognosen notorisch unzuverlässig.

81 Prozent – und eine Skala, die nicht mehr reicht

Der Stand vom 13. August ist deutlich. Das CPC führt seit Juni ein El-Niño-Advisory, die Juli-Werte lagen bei 1,4 Grad im Leitindex Niño-3.4 und bei 2,9 Grad in der küstennahen Region Niño-1+2. Für Oktober bis Dezember beziffert die Behörde die Wahrscheinlichkeit eines sehr starken Ereignisses auf 81 Prozent, die WMO-Saisonprognose sieht den Höhepunkt im November.

Am bemerkenswertesten liest sich die Auswertung des IRI an der Columbia University: 15 Modelle rechnen für den Herbst mit drei Grad und mehr. Die Intensitätsskala des Instituts endet bei zwei Grad.

Kakao plus 37 Prozent: So teuer wird das Christkind

Auf das deutsche Wetter wirkt El Niño kaum. Auf den deutschen Einkaufswagen sehr wohl.

Seit Anfang Juni ist der Kakaopreis um rund 37 Prozent gestiegen, Arabica-Kaffee um etwa 26 Prozent. Beim Ereignis 2023/24 verdreifachte sich der Kakaopreis auf über 10.350 Euro je Tonne. Australien droht diesmal ein Einbruch der Weizenernte.

Der Panamakanal senkt die buchbaren Durchfahrten ab September schrittweise ab, weil dem Gatún-See das Wasser fehlt. Rund fünf Prozent des Welthandels laufen durch diese Schleusen.

Wie hoch die Rechnung am Ende ausfällt, hat eine Studie des Dartmouth College beziffert: Der Super-El-Niño von 1997/98 kam auf rund 5,7 Billionen US-Dollar entgangene Wertschöpfung über fünf Jahre.

Warum peruanische Fischer dem Unglück diesen Namen gaben

Den Namen haben Fischer vor der Küste Perus vergeben, vermutlich vor mehreren hundert Jahren. Sie bemerkten, dass das Wasser um die Weihnachtszeit ungewöhnlich warm wurde, das Plankton starb und die Sardellenschwärme abwanderten. El Niño de Navidad, das Christkind.

Dahinter steckt eine gekippte Balance. Normalerweise schieben die Passatwinde warmes Oberflächenwasser nach Westen, vor Peru steigt dafür kaltes Tiefenwasser auf. Erlahmen die Passatwinde, schwappt die Wärme zurück nach Osten – im Schnitt alle vier Jahre, besonders heftig zuletzt 1982/83, 1997/98 und 2015/16.

Eine gute Nachricht gibt es auch: In der Karibik dämpft El Niño typischerweise die Hurrikan-Aktivität.

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Winter in Deutschland: Der DWD warnt vor voreiligen Schlüssen

Der Deutsche Wetterdienst hat den Fall Ende August in seinem „Thema des Tages“ auseinandergenommen. Über die Hadley-Zirkulation kann die Pazifik-Wärme bis in höhere Breiten wirken und Lage und Stärke des Jetstreams verändern, vor allem im Winterhalbjahr. Je stärker das Ereignis, desto wahrscheinlicher solche Wechselwirkungen.

Nur führt das zu keiner Vorhersage. Es lasse sich „aus einem starken El Niño allein kein kalter Winter in Europa“ ableiten, schreiben die Meteorologen. Über Mitteleuropa bestimmt der Atlantik das Wetter.

Global fällt das Signal eindeutiger aus. El Niño heizt die Atmosphäre auf, mit einigen Monaten Verzögerung; das Jahr nach dem Ereignis ist typischerweise das wärmere. 2027 gilt bereits als Kandidat für ein neues globales Temperaturrekordjahr.

Die nächste offizielle Zahl kommt am Donnerstag um 10 Uhr.

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