Auf Bali ist in diesem Tagen ein politisches Schauspiel der besonderen Art zu bewundern. Auf dem Weltklimagipfel treten die Emissäre des amerikanischen Präsidenten auf, als sei George W. Bush nichts wichtiger als der Kampf gegen die Erderwärmung. In Bali fallen Sätze wie die folgenden: Amerika nehme den Klimawandel ernst, Amerika sei sich seiner Verantwortung bewusst, und Amerika tue alles, damit die Konferenz ein Erfolg wird. Und in der Tat: Selten hat sich eine US-Delegation bei Klimaverhandlungen rhetorisch so beweglich, so offen gezeigt wie derzeit auf Bali. Doch leider bedeutet das nicht automatisch auch eine neue Politik. Bush spielt vielmehr ein doppeltes Spiel: Während seine Delegierten vor dem Verhandlungssaal auf gute Stimmung machen, wird drinnen blockiert, getrickst und verschleppt wie eh und je. Die USA sind gegen verbindliche Klimaziele. Sie lehnen ein Kyoto-Folgeabkommen ab. Sie würden die Uno am liebsten ganz außen vor lassen. Sie spielen auf Zeit. Denn jeder Tag ohne neues Abkommen bringt George W. Bush und seinen Freunden aus der Öl- und Energieindustrie bares Geld.Doch ein Trost bleibt: George W. Bushs Spiel ist ein Spiel auf Zeit. Spätestens nach den Wahlen im nächsten Jahr wird sich die Haltung der USA grundlegend verändern. Jeder neue US-Präsident wird dem wachsenden Umwelt- und Klimabewusstsein im eigenen Land nicht nur rhetorisch, sondern auch tatsächlich Rechnung tragen müssen. Dann besteht eine größere Chance, den weltgrößten Emittenten mit ins Boot zu holen. Bis dahin sollte die Weltgemeinschaft im Zweifel allein vorangehen.
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